Welche Art von Selbstschau war es nun, die das offizielle Österreich in dieses enthemmte Feiern gleich zu Beginn der EU-Präsidentschaft trieb?

Gefeiert wird hier, bevor noch irgend etwas geschehen ist. Auf Kredit also.

Gleichgültig, was am Ende herausgekommen sein wird. In den Fragen der Arbeitslosigkeit oder der Osterweiterung. Und was im Kosovo los ist. Aber.

Wir Österreicherinnen und Österreicher wissen es von uns nicht besser.

So hat die Erinnerung an die österreichische Rolle in der Geschichte viel mit dem Wiener Kongreß zu tun, bei dem Österreich sich auch alles erfeiert hat.

Angeblich. Diplomatische Vertreter Österreichs im Ausland sind jedenfalls von der Macht der Sachertorte weiterhin überzeugt. Offiziell und inoffiziell: Germknödel, Schwammerlgulasch und Marillenschnaps in Bonn. 300 kamen und aßen. "Fidelio" auf Riesenleinwand in Berlin. Kaum jemand kam. Die Fernsehfassung eines "Festes für die EU" in neun Länder. Übertragen wird vom Heldenplatz. 60 000 waren da.

Das Vorhaben wirkt rührend. Und liab. In einem "Fest für die EU" soll österreichische Identität entstehen, erklärt und vermittelt werden. Ein ehrgeiziges Vorhaben. Ein historisches. Das europäische Österreich will sich empfehlen. Ein Österreich, das Nationalistischem absagt, sich in den Kranz des Europäischen einreiht und doch Kontur behält. Nachdrücklich demokratische Kontur. Das wird Österreich immer nachweisen müssen. Zu Recht. Die Erbschaften lassen hier nichts anderes zu. Aber. Kann man den Nachweis einer Identität erfeiern? Schon die Französische Revolution hatte damit ihre Schwierigkeiten.