Die CSU hat Fortune. Über Jahrzehnte hinweg konnte sie ihre bayerische Bastion verteidigen und zudem einen bundespolitischen Einfluß geltend machen, der weit über die normalen Möglichkeiten einer erfolgreichen Regionalpartei hinausreicht. Doch in der schönen Erfolgsgeschichte steckt zugleich die Drohung, es könne einmal anders werden. Seit der Einheit lebt die Partei mit der Befürchtung, im größer gewordenen Deutschland könne ihre Sonderrolle auf Dauer nicht zu halten sein. Das schafft Unruhe, vor allem in Wahlkampfzeiten.

Dann fällt es besonders schwer, die Demonstration bayerischen Eigensinnes von profilneurotischen Anfällen zu unterscheiden, das pralle Selbstbewußtsein verkehrt sich dann öfter in die Angst vor dem drohenden Einflußverlust.

Bei allem bundespolitischen Machtanspruch hat die CSU ihre bayerischen Prioritäten nie aus den Augen verloren. Die CSU weiß, daß ihr Einfluß über Bayern hinaus auf der Macht im Freistaat basiert. Das macht das Miteinander in der Union nicht einfacher. Wenn sie sich Vorteile für Bayern verspricht, profiliert sich die CSU schonungslos auch gegen die Schwesterpartei. Zuerst mußte das Helmut Kohl in der Debatte um die Euro-Einführung erfahren. Wo sich der Kanzler bemühte, dem verunsicherten Wahlvolk die Abschaffung der D-Mark schmackhaft zu machen, profilierte sich Edmund Stoiber als Euro-Skeptiker.

Seither ist es Wolfgang Schäuble, an dem die CSU ihre Eigenständigkeit demonstriert. Erst sorgte Schäubles überraschende Nominierung zum Wunschnachfolger des Kanzlers in der CSU für Unmut, dann war es sein Entwurf zum CDU-Wahlprogramm, den die Bayern nicht akzeptieren wollten. Schon die unverbindliche Erwähnung einer Ökosteuer auf europäischer Ebene führte zum wochenlangen Streit. Danach wollte die CSU unbedingt den Satz "Deutschland ist kein Einwanderungsland" in der gemeinsamen Wahlplattform unterbringen.

Das ist ihr, wie der Kanzler gerade betont hat, nicht gelungen. Doch in der Sache - weitgehende Eindämmung des Ausländerzuzugs - besteht zwischen den Schwesterparteien ohnehin Konsens.

Daß die CSU in der Europa-, der Ausländerpolitik sowie in Fragen der inneren Sicherheit härtere Positionen bezieht als die Christdemokraten, erklärt sich auch aus einer anderen Maxime der Bayern: Rechts von der CSU, so heißt es seit Franz Josef Strauß, darf sich keine demokatisch legitimierte Partei etablieren. So gelang es der CSU, die Republikaner in Bayern kleinzuhalten.

Auch die skurrile Debatte um eine Große Koalition in Bonn dient nur dem Zweck, die absolute CSU-Mehrheit zu verteidigen. Schon die Erwartung einer gemeinsamen Bonner Regierung mit der SPD könnte bei der Landtagswahl am 13.