Berlin ist die Hauptstadt, dort passiert mehr als in der Provinz, und alles geht schneller. Kaum einen Monat ist es her, daß die taz ihre besorgten Leser darüber diskutieren ließ, ob man noch unbesorgt ins Umland fahren könne, da man dort allenthalben auf Rechtsextremisten, Skinheads, Ausländerfeinde und Wessi-Hasser stoße.

In der vergangenen Woche bereits brachte die Volksbühne bei ihrem "Vierten Praterspektakel" die dramatisierte Fassung dieser Bedenken zur Aufführung: Drei junge Menschen wippten auf Gesundheitsbällen und skandierten "Boykottiert Spargel aus Beelitz! Kauft keine Spreewalder Gurken!"

Andererseits müsse man die Ossis schon irgendwie integrieren, also vielleicht unter Umständen doch ins Umland fahren, säuselten die Mimen taz-O-Töne, um dann wieder ins harte Parolen-Stakkato zu verfallen: "Also fahrt ins Umland!

Nehmt! Handys! mit!"

Und während wir in unserem nicht annähernd hauptstadtschnellen Denken noch mit der Frage ringen, ob man sich auf diese Weise über die tiefempfundenen Sorgen Betroffener lustig machen darf, gibt Brandenburg bekannt, daß sich die Zahl der rechtsextremistischen Straftaten im Vergleich zum Vorjahr halbiert habe - ein Erfolg, heißt es, harten Durchgreifens, zahlreicher Personenkontrollen und konsequenter Platzverweise. Auch das Hauptstadt-Umland, so scheint es, denkt schnell.