Sie lehnt entspannt an der Wand, er kehrt ihr, mit anderen Gästen plaudernd, den Rücken zu. Der Gipfel macht Pause, Deutsche und Franzosen parlieren artig. Die Szene ist Bonn, anno 1992, im ersten Stock des Kanzleramts.

Brigitte Sauzay, die Französin und Dolmetscherin ihres Präsidenten, sehnt sich nach Deutschland, wie wirken doch die neuen Bundesländer so anziehend, nach Osten, nach Osten. Helmut Kohl, der Kanzler aller Deutschen, hatte da gleich was im Sinn, europäisch, patriotisch - Madame möge ihm doch schreiben.

Ihr "Bewerbungsschreiben" an den Kanzler fand sich jetzt wieder. Doch ach, er las sich ganz anders, schließlich war die damals noch nette, neugierige Deutschlandkennerin mittlerweile zur Beraterin des Konkurrenten Schröder aufgerückt, wie die ZEIT berichtete. Die schöne Idee wurde - von wem nur, quelle intrigue - in Zwielicht getaucht. Das haben sie nicht verdient, die neuen Bundesländer, und die deutsch-französischen Beziehungen auch nicht.