der Grund ist Sean Kelly, nachdem hier ein etwas schäbiger Platz benannt ist. Sean Kelly, wiewohl inzwischen nicht mehr aktiv, ist der berühmteste Radrennfahrer Irlands - noch vor Stephen Roche, der 1987 sogar die Tour-Gesamtwertung gewann.

Der Bauernsohn Kelly stammt aus dem Dörfchen Curraghduff, ein paar Kilometer südlich von Carrick. Als ich dort ankomme, weiß ich auch, woher Kelly seine Profikondition hat, denn zuvor sind in viertelstündiger Schinderei sehr unirische Serpentinen zu überwinden. Dieser mordsmäßige Anstieg ist die böse Überraschung auf dem Weg in das Küstenstädtchen Dungarvan. Die gute Überraschung liefern hingegen die Comeragh Mountains, wo die Strecke mich zwar an steilen Felswänden vorbeiführt, dies aber in so sanften Schwüngen, daß ich den Anstieg kaum merke. Um mich her blüht der Stechginster, Wälder spenden Schatten, Wasserfälle ergießen sich zu Tal - ich hätte Lust, mein Rad abzustellen und die Wanderqualitäten der Comeraghs zu überprüfen, auf der Suche nach dem Versteck des Highwayman William Crotty, der im 18. Jahrhundert hier eine Art Robin-Hood-Existenz führte.

Aber ich muß weiterstrampeln. Kurz vor Dungarvan bin ich wieder im Schwerverkehr der National Road, die unmerklich aufs Niveau des blitzenden Atlantiks hinabführt und jenseits der Stadt um so spürbarer wieder an Höhe gewinnt.

Der letzte größere Ort, der vor Cork passiert wird, heißt Midleton und ist ein 4000-Seelen-Kaff, das jedem gefährlich werden kann, der das mit der Schnapsidee meines Tour-Tests allzu wörtlich nimmt. Midleton ist nämlich das Zentrum der irischen Whiskeyproduktion

mehr Destillen als hier gibt es nirgendwo im ganzen hochprozentigen Lande.

Im brandenden Verkehr erreiche ich mit letzter Kraft endlich Cork, die zweitgrößte Stadt der irischen Republik. Von hier aus wanderten unzählige Iren aus

von hier aus nahm die Titanic Kurs auf Amerika