Heartbreaker, Childmaker: Du hast die Frau geschwängert und sie dann sitzengelassen. One more mouth to feed. Elend und Jammer. Das Klavier plonkt verstimmt, ein Bläsersatz versucht sich in den Song einzufädeln und schmiert erbärmlich ab, der Gitarrist rutscht besoffen übers Griffbrett. Nur das Schlagzeug hält mit solidem Backbeat diesen Torso von einem Lied zusammen.

James Kelly Duhon heißt der Sänger von "Heartbreaker", einem Traktat über das gescheiterte Leben. Ein Name, der bestenfalls jenen 43 Soul-Connaisseurs bekannt ist, die sich bei den Schallplattenbörsen in Deutschland auf die Füße treten.

Die Münchner Firma Trikont hat nun mit "Down and Out" eine Kollektion von Soul-Songs herausgebracht, die jenen Vergessenen und Verlorenen aus dem amerikanischen Süden gewidmet ist. Schwarzen Sängerinnen und Sängern wie Larry Coney, Ella Brown, Bill Brandon, Geater Davis, die über ein, zwei regionale Hit-Singles nicht hinauskamen und in den üblen Kaschemmen des sogenannten Chitlin Circuit für ein rauhes Publikum aufspielten. Das ist nicht der glossy Soul von Motown oder der kraftvoll pumpende Herzschlag von Stax, sondern eine Musik der Armut, der man die erbärmlichen Bedingungen ihrer Produktion auch anhört.

Viele der Lieder sind nach der großen Ära des Soul entstanden. Zu einer Zeit, als Martin Luther King und Malcolm X tot waren, die Bürgerrechtsträume der freedom riders verblaßten und statt Hoffnung und Liebe Depression und Lähmung triumphierten: "Road of Brokenhearted Men" heißt ein Song von Bobby Blue Bland, einem der bekannteren Namen auf dieser Kompilation: "Der Verkehr ist dicht, und an jeder Ecke kann ich Ärger sehen." Zurückgenommener Gesang, der im Refrain plötzlich explodiert. Gutturales Grunzen, Entfesselung der Stimme, Allianz des Heiligen und des Profanen: "This road just ain't got no end."

Das stilistische Spektrum auf "Down and Out" ist breit: von den Big-Band-Stompers eines Percy Mayfield mit viel Echo auf der Snare Drum über einen räudigen Trauermarsch von George Perkins zu einer den Wahnsinn streifenden Blues-Epistel von Juke Boy Bonner. Über allen aber hängt ein Schleier von Betrug und Versagen, das Bewußtsein, "daß das Leben im Grunde ein Schwindel ist und daß seine Bedingungen die der Niederlage sind", wie es der Schriftsteller Francis Scott Fitzgerald einmal ausgedrückt hat.

Das Kollektiv löst sich auf, die Verheißung versagt, der Dialog des schwarzen Predigers mit der Gemeinde wird zum einsamen Gestammel. "Ich wünschte, ich wäre tot", heißt es in dem unfaßbaren Lied von Ede Robin zu schwer lastenden Orgelklängen und mysteriösen Bongotrommeln: "Er ist fort, und ich bin ganz allein, mit der Rasierklinge in meiner Hand."