Sein Wunsch sei , so Hans-Olaf Henkel an Helmut Kohl gewandt, daß dieser auch zur nächsten Jahrestagung des BDI in zwei Jahren erscheinen werde - "natürlich als Bundeskanzler". So gefiel ihr Präsident Anfang Juni den über tausend Delegierten des Industrieverbandes in der Bonner Beethovenhalle.

Vergessen all die Zweifel, ob der streitbare Industriesprecher nach seiner harschen Kritik an den Reformdefiziten der Koalition überhaupt noch einen Gesprächsfaden zur Regierung habe, vergessen auch seine ihm bis weit in die eigenen Reihen verübelte penetrante Kritik am Wirtschaftsstandort Deutschland. Kein Thema mehr selbst die nach wie vor bestehenden Vorbehalte der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), die dem ersten Mann des Schwesterverbandes vor allem dessen Attacken gegen die mangelnde Flexibilität der Flächentarifverträge verübelt hatte. Der Weg für den 58jährigen früheren IBM-Manager war somit frei. In der vergangenen Woche empfahlen die acht Vizepräsidenten dem 45köpfigen Präsidium, der Mitgliederversammlung im November die Wiederwahl Henkels für eine dritte zweijährige Amtsperiode vorzuschlagen.

Damit fanden monatelange Spekulationen ein Ende, die der BDI-Präsident mit irritierenden Aussagen über seine berufliche Zukunft selbst genährt hatte.

Wiederholt signalisierte er gegenüber Medien Rückzugsabsichten. Ein Amtswechsel schien um so wahrscheinlicher, als der BDI selber mit der Einführung einer Zweidrittelmajorität (statt der einfachen Mehrheit) für eine zweite Wiederwahl eine maximal vierjährige Amtsdauer favorisiert. Zudem meldete der erfolgreiche Hanauer Familienunternehmer Jürgen Heraeus sein Interesse an der Spitzenposition der deutschen Industrie an. Damit stand ein in Verbandsdingen erfahrener Alternativkandidat für den Fall bereit, daß Henkel nicht mehr antreten werde.

Rückblickend spricht manches dafür, daß Henkel seine lancierten Rückzugsabsichten nie ganz ernst gemeint hat und mit Andeutungen in dieser Richtung lediglich die in ihrem Urteil über ihn zeitweilig schwankend gewordenen Mitgliedsverbände mobilisieren wollte. Spätestens mit seinem auch für manche BDI-Altvordern überraschend klaren Bekenntnis für Helmut Kohl und der medienwirksamen Präsentation des von ihm initiierten Perspektivpapiers "Für ein attraktives Deutschland" durfte er sich jedoch einer breiten Unterstützung für eine Wiederwahl sicher sein. Dies um so mehr, als der in der letzten Phase als weiterer Kandidat gehandelte Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagebau (VDMA), Michael Rogowski, abwinkte. Der Chef des schwäbischen Turbinen- und Maschinenherstellers Voith ist nach Ansicht seines Aufsichtsratsvorsitzenden Marcus Bierich für das zeitaufwendige Ehrenamt bis auf weiteres unabkömmlich.

Den Rest besorgte für Hans-Olaf Henkel dessen treuer Mentor Tyll Necker. Der Bad Oldesloer Maschinenfabrikant, selber zweimal BDI-Präsident und als einer der acht Vizes immer noch der einflußreichste Mann in der Personaldiplomatie des Spitzenclubs, hatte seinen Duzfreund in der Vergangenheit mehrfach gedrängt, den Spekulationen um seine Person möglichst rasch ein Ende zu machen und den Hut in den Ring zu werfen. Nachdem Necker in den vergangenen Wochen in Einzelgesprächen die Meinung der übrigen Vizepräsidenten eingeholt hatte, konnte er Henkel jetzt breite Unterstützung melden. Den Amtsinhaber zu einer erneuten Kandidatur zu gewinnen war - so Necker - danach "nicht mehr allzu schwer". Da die stärksten Mitgliedsverbände - Automobilindustrie, Maschinenbau, Chemie, Elektro - im Vizepräsidium vertreten sind, gilt die nötige Zweidrittelmehrheit als gesichert. Auch für den Verbandsveteranen Necker hat die Wiederwahl einen erfreulichen Nebeneffekt: Als unmittelbarer Amtsvorgänger Henkels wird er nach den BDI-Statuten mindestens die nächsten beiden Jahre noch dem Kreis der einflußreichen Vizepräsidenten angehören.