Mitten in den Sommerferien setzt die Swissair zur Landung in Deutschland an. Anfang August, so schätzen Insider, wird die Schweizer SAirGroup, die Muttergesellschaft der Fluggesellschaft, die Mehrheit am Deutschen Charterflieger LTU International Airways sowie an dessen Veranstaltertöchtern Meier's Weltreisen, Jahnreisen, Transair, THR Tours und Tjaereborg übernehmen. Die Schweizer erhalten damit den Zugang zum wichtigsten EU-Markt.

Mit Hilfe der begehrten Start- und Landerechte der LTU können sie dann wie Lufthansa von den Drehkreuzen Düsseldorf und München innerdeutsche, europäische und interkontinentale Strecken nonstop fliegen und somit wie ein EU-Carrier agieren. Eine Zwischenholding soll, so heißt es, die Geschicke von Swissair Deutschland und den Charterflügen der LTU koordinieren. Drahtzieher dieses Mega-Deals ist wieder einmal Friedel Neuber, der Vorstandsvorsitzende der West-LB. Formell erfüllt der Banker damit die Auflagen des Bundeskartellamtes. Die Wettbewerbshüter hatten der Bank nach dem Erwerb des Hapag-Lloyd-Konzerns und der Mehrheit an Europas größtem Reiseveranstalter TUI durch die WestLB-Tochter Preussag die Auflage erteilt, sich von ihrem 34,4-Prozent-Anteil an der Düsseldorfer LTU zu trennen, die seither beim Versicherungskonzern Axa-Colonia geparkt ist. Das Milliardengeschäft des Taktierers Neuber mit den Schweizern soll allerdings über das WestLB-Paket hinausgehen, das allein für sie auch nicht interessant wäre. Die LTU-Mehrheit dürfte sich die SAirGroup über den Kauf weiterer Anteile von der Düsseldorfer Conle-Familie und dem Architekten Erwin Walter Gräbner beschaffen. Neuber selbst, so heißt es, will sich einen weiteren Einfluß auf einen der größten deutschen Chartercarrier durch einen Zehnprozentanteil an einer gemeinsamen Obergesellschaft mit den neuen Eigentümern sichern - auch im Interesse der Schweizer. Angesichts der kränkelnden LTU-Veranstalter kann ihr neuer Deutschland-Ableger nur dann florieren, wenn die rot-weißen LTU-Jets weiterhin mit TUI-Urlaubern gefüllt werden. Es ist kaum anzunehmen, daß der als Neuber-Ziehsohn geltende Preussag-Chef Michael Frenzel und Hapag-Lloyd-Vize Claus Wülfers, der neue starke Mann der Preussag-Touristikbeteiligungen, gegen das Votum des mächtigen WestLB-Vorsitzenden agieren werden.