doch zulässig ist nur der Vergleich mit und ohne Tempolimit auf ein und demselben Autobahnsystem. Die Erfahrungen sämtlicher Länder aber, die auf ihren Highways die Höchstgeschwindigkeit begrenzt haben, beweisen die heilsame Wirkung der Maßnahme. Wo dagegen, wie in Texas, wieder schneller gefahren werden darf, nehmen die Unfälle zu.

Die unfallsenkende Wirkung geringerer Geschwindigkeiten gilt gleichermaßen für den innerörtlichen Verkehr. Erst jüngst hat das Umweltbundesamt (UBA) die Erfahrungen mit Tempo-30-Zonen auswerten lassen. Ergebnis: Es gibt weniger Verletzte und Tote. Kein Wunder, denn Tempo 30 entspricht ziemlich genau der maximalen menschlichen Fortbewegungsgeschwindigkeit, die mit der Reaktionsschnelligkeit biologisch verknüpft ist. Wer deshalb, mit Ausnahme besonders gekennzeichneter Hauptstraßen, gegen das vom UBA und von den Grünen geforderte Regellimit argumentiert, muß erklären, warum er in Dörfern und Städten mehr als 2000 Tote und mehr als 100 000 Verletzte in Kauf nehmen will.

Umweltgründe können dafür kaum ins Feld geführt werden. Niedrigere Geschwindigkeiten sorgen nicht nur für weniger Straßenverkehrslärm, von dem sich mehr als zwei Drittel der Bevölkerung belästigt fühlen

sie mindern auch den Ausstoß von Atemgiften, die immer noch, trotz Katalysator, aus den Auspuffrohren quellen.

Was also spricht gegen die Limits? Etwa der Dauerstau, der angeblich bei niedrigeren Geschwindigkeiten droht? Ein Mythos. Der befürchtete Stillstand dräut im Gegenteil um so mehr, je größer die Geschwindigkeitsdifferenzen zwischen den Verkehrsteilnehmern sind. Ein homogenerer Verkehrsfluß bringt das Gros der "Langsamfahrer" schneller ans Ziel, während sich die Reisezeit der "Schnellfahrer" kaum erhöht.

Bleibt die Ökonomie: Weniger Verletzte entlasten zwar die Budgets der Krankenkassen, gefährden aber die 700 000 Jobs der Autowerker. Letzteres behauptet zumindest der Automobilverband VDA - nicht ohne hinzuzufügen, daß "60 Prozent der im Inland gefertigten PKW/Kombi exportiert" werden. Eben. Sie werden in Länder mit Tempolimits exportiert.

Nirgendwo regiert der Stammtisch so gnadenlos wie beim Tempolimit-Disput. Daß die Grünen dies nun spüren müssen, beweist nur, wie sehr sie im Recht sind - und nicht die Schröders und Wissmanns.