Ich habe gelernt, daß sich der tatsächliche Erfolg von Entwicklung an dem Lächeln eines Kindergesichtes in einem erfolgreichen Projekt messen läßt."

Als James Wolfensohn, gerade zum Chef der Weltbank gekürt, diesen Satz sagte, atmeten viele Kritiker der Institution auf. Endlich schien die Bank einen Präsidenten zu haben, der Erfolg nicht mehr nur an Wachstumsraten oder Kreditvolumen maß. Endlich schien da jemand zu sein, der die Institution wieder stärker auf ihre vornehmste Aufgabe ausrichten wollte - die Bekämpfung der Armut der Welt.

Seit drei Jahren ist Wolfensohn nun im Amt - und Bruce Rich, der renommierteste Kritiker der Institution, zieht Bilanz. Das Ergebnis ist verheerend: "Nun setzt die Bank schon in ihrem sechsten Jahrzehnt den Versuch fort, irgend etwas zu fördern, das ,Entwicklung' genannt wird, und der Mehrzahl der Armen in ihren Nehmerländern geht es schlechter als eineinhalb Jahrzehnte zuvor." Auf 450 Seiten gut geschrieben und mit einer Vielzahl von Quellen und Beispielen hervorragend belegt, bilanziert Rich die Fehler der Institution. Der ehemaliger Mitarbeiter der Weltbank und heutige Direktor der Umweltorganisation Environmental Defense Fund verfügt wie kaum ein anderer über interne Informationen aus der Institution. Und er pflegt Kontakte zu Nichtregierungsorganisationen aus aller Welt - sein Buch liest sich daher streckenweise wie eine Gegengeschichte der Weltbank. Rich dokumentiert, wie die Bank über Jahrzehnte hinweg immer wieder erst auf öffentlichen Druck fehlerhafte Entscheidungen revidierte. Er zeigt, daß diese Arroganz der Macht in armen Ländern häufig menschliche Tragödien verursachte. Und er weist nach, daß Weltbank-Kredite für Großprojekte nicht selten ökologisches und soziales Desaster zur Folge hatten - eine Darstellung, die inzwischen zum Teil sogar vom offiziellen Geschichtsbuch der Bank übernommen wurde.

Operation mißlungen - die Weltbank schließen? Zu dieser Forderung kann sich Rich nun doch nicht durchringen. Er will die Bank vielmehr "neu erfinden": mehr Transparenz

mehr Mitsprache der Menschen, die von den Projekten betroffen sind

eine stärkere Beachtung ökologischer Probleme. Die Bank solle sich "an den Werten einer globalen Zivilgesellschaft" ausrichten, kontrolliert von einer wachsamen Öffentlichkeit.

Die Reformvorschläge sind plausibel, leider offenbaren sie aber auch eine Schwäche des Buches: Rich erklärt nicht, warum all dies so schwer durchzusetzen ist. Mit ähnlichen Vorstellungen trat doch der neue Weltbankchef James Wolfensohn an. Rich billigt ihm daher auch guten Willen zu, wirft ihm jedoch bislang Versagen vor: "... man könnte Wolfensohns mutige Entscheidungen hervorheben, die allesamt andeuten, daß die Bank beginnen könnte, ihren Versprechen gerecht zu werden. Doch hierbei handelt es sich um abseitige Strömungen." Wenn nicht einmal ein charismatischer Präsident die Institution verändern kann - was dann? Diese Frage läßt Rich unbeantwortet.