Im Alliierten Museum an der Clayallee, vor ein paar Tagen eröffnet, herrschte am vergangenen, regnerischen Wochenende großes Gedränge. Junge und Alte, Familien mit Kindern standen vor der ausrangierten Hastings, einer Maschine der legendären Luftflotte, die während der Luftbrücke vor genau fünfzig Jahren das abgeschnittene Berlin am Leben erhielt. Sie zeigten sich die Carepakete und Säcke mit Kohle, die eingeflogen worden waren, die Aufrufe und Appelle jener Tage, Photos der Piloten, "Reliquien der Gefühle", wie Mark Simons verständnisvoll-kritisch über die Ausstellung in der Frankfurter Allgemeinen schrieb.

Es scheint, als ob die Berliner, genauer die Westberliner, ihren Gefühlen freien Lauf lassen, wenn sie an jenes Jahr zurückdenken, als die "Rosinenbomber" im Dreiminutentakt in ihrer Stadt landeten und sie mit allem, was der Mensch braucht, so gut es ging versorgten. Wie kann dies auch anders sein, denn der Erinnerung an jene große Zeit ist in diesen Tagen kein Ende.

Die "gehobene Szene Berlins" war erschienen, wie der an der Spree ansässige Spiegel-Reporter Alexander Smoltzyk mit einem Blick diagnostizierte, als die königliche Jessye Norman im Rahmen der Dauerfeierlichkeiten zum Luftbrücken-Jubiläum diese in der Philharmonie mit George-Gershwin-Songs entzückte.

Berlins höhere Szene genoß schon eine Woche vorher auf dem Gendarmenmarkt das "Freiheits-Konzert" des Bundesjugendorchesters mit einleitenden Worten eines gelösten Außenministers Kinkel, der meinte, den Aufbruch in die neue Zeit nirgends so hautnah zu erleben wie hier und als er dann die berühmten Worte Ernst Reuters wiederholte: "Völker der Welt, schaut auf diese Stadt", waren die Zuhörer geneigt zu schluchzen.

Stunden vorher hatte Walther Leisler Kiep, Vorsitzender der Atlantik-Brücke, in einer ebenfalls tränentreibenden Feierstunde mit dem ihm eigenen eleganten Charme die Veteranen der Alliierten Luftstreitkräfte geehrt. Neun pensionierte Offiziere aus den USA, England, Neuseeland, Australien, Kanada und Frankreich, Südafrika auch, bekamen den Eric-M.-Warburg-Preis, das Musikkorps der Luftwaffe spielte, die Amerikaner hatten ihr Pendant aus Kaiserslautern beordert, die Nationalhymnen waren zu hören, Dvorák, "A Triumph of Spirit", "Together We Can, Together We Have", "Mein Berlin", und als die Schöneberger Sängerknaben "Auf Wiedersehen, auf Wiedersehen" anstimmten, mußten nun wirklich die Taschentücher vorgehol t werden.

Inzwischen war auch George Bush eingeflogen, der amerikanische Präsident im Ruhestand, der vor dem Alliierten Museum eine Bronzeplastik enthüllte: "Der Tag, an dem die Mauer fiel". Fünf Pferde überspringen die Reste der Mauer.

Fast wäre Bush gestolpert, was die Berliner Photographen dann ausführlich dokumentierten.