die zeit: Herr Sahm, Sie sind Experte in einer Enquetekommission des Bundestages, die in dieser Woche Ideen über den Schutz des Menschen und der Umwelt veröffentlicht. Die Grünen werden derzeit kritisiert, weil sie ein allgemeines Tempolimit vorgeschlagen haben. Was halten Sie davon?

Wilfried Sahm: Die Kommission selbst sagt dazu gar nichts. Wir haben allerdings eine Studie über die Versauerung der Böden in Auftrag gegeben. Und dort wird ein Tempolimit vorgeschlagen, um den Kraftstoffverbrauch, die CO2- und Stickoxidemissionen zu verringern.

zeit: Die Kommission und damit Vertreter aller Bundestagsparteien, der Wissenschaft und der Industrie übernehmen immerhin aus dieser Studie den Satz: "Geschwindigkeitsbegrenzungen im Straßenverkehr haben eine positive Wirkung."

Sahm: Daraus resultiert aber kein konkreter Vorschlag für ein Tempolimit. So etwas wäre in der Kommission nicht mehrheitsfähig gewesen.

zeit: Was sollten wir denn dann tun, um eine nachhaltigere Gesellschaft zu werden?

Sahm: Wir haben uns darauf geeinigt, daß Nachhaltigkeit drei Dimensionen hat: die ökologische, die ökonomische und die soziale. Und wir haben versucht, dafür Grundregeln aufzustellen. In der Ökologie heißt das beispielsweise, daß man von erneuerbaren Ressourcen nicht mehr verbrauchen soll, als nachwächst.

Oder für die Ökonomie: Es soll so gewirtschaftet werden, daß Allgemeinwohl und Eigeninteresse in Einklang stehen.