Nur zwei Dinge seien im Leben wirklich sicher, sagen die Steuerzahler in den Vereinigten Staaten: death and taxes, der Tod und die Besteuerung. Bei jeder Änderung der Gesetze kommen eine dritte und eine vierte Gewißheit hinzu: Amerikas Steuersystem wird immer ungerechter - und es bleibt kompliziert.

Das gilt auch für den Versuch, die Abgabenordnung mit der Einführung einer sogenannten alternative minimum tax (AMT) einfacher und fairer zu gestalten.

Schon seit 1986 versuchen die Amerikaner, mit dieser Mindeststeuer reiche Mitbürger zur Kasse zu bitten. Der Erfolg läßt zu wünschen übrig.

1994 - im letzten Jahr, für das Zahlen vorliegen - spülte die AMT gerade einmal 2,5 Milliarden Dollar in staatliche Kassen, das sind nur 0,4 Prozent des gesamten Einkommensteueraufkommens. Dazu macht die Abgabe das ohnehin kaum durchschaubare System vollends wirr - "eine Vollbeschäftigungsgarantie für meine Zunft", freut sich der New Yorker Steuerberater Tony Schmidt.

Genauso wie es auch Gerhard Schröder will, soll die minimum tax bei jenen Amerikanern greifen, die sonst die zahllosen Abschreibungschancen nutzen, um ihre Steuerlast zu drücken. Im Gegensatz zur normalen Einkommensteuer dürfen bei der AMT einige steuermindernde Tatbestände nicht berücksichtigt werden.

Eingezogen wird die Mindeststeuer allerdings nur dann, wenn durch ihre Anwendung höhere Abgaben fällig sind als bei der regulären Steuer.

Das bedeutet: Statt einer müssen zwei Steuerrechnungen erstellt werden, für die der Steuerzahler oder sein Berater verantwortlich ist. Außerdem wird bei der AMT nur ein Steuersatz von 26 oder 28 Prozent erhoben - der normale Einkommensteuersatz für reiche Amerikaner liegt dagegen bei 36 bis 39,5 Prozent.