Verwirrung im digitalen Kabel? Gerade erst hatte der Brüsseler Wettbewerbskommissar Karel Van Miert den Medienkonzernen Bertelsmann und Kirch untersagt, über den Hamburger Pay-TV-Sender Premiere hierzulande gemeinsam das Zukunftsfernsehen einzuführen, weil er befürchtet, daß so ein Monopol entstehen könnte, da melden die beiden Digital-Partner flugs die Aufstockung ihrer Premiere-Anteile auf jeweils fünfzig Prozent an - und dieses Mal beim Bundeskartellamt in Berlin. Der bisherige dritte Teilhaber Canal Plus will aussteigen. Zugleich hat der Sender Premiere bei den Landesmedienanstalten Hamburg und München Zulassungsanträge für insgesamt fünfzehn digitale TV-Programme gestellt. Dasselbe in Grün? Oder, wettbewerbsrechtlich gefragt: eine Umgehung der Untersagung? Tatsächlich sind die neuen Anträge eine Nummer kleiner. Nun ist nicht mehr die Fusion von DF 1, dem Digital-Sender von Kirch, mit Premiere vorgesehen. Der Decoder d-Box, der fürs digitale TV notwendig ist und von Kirch angeboten wird, wird nicht mehr zentral von beiden Unternehmen vermarktet. Auch der Technik- und Dienstleistungspakt zwischen Kirch/Bertelsmann und der Telekom ist nicht Gegenstand der neuen Anmeldung. Zudem hat Premiere ein deutlich kleineres Programmangebot vorgesehen - was bereits zu Streit zwischen den Digital-Partnern geführt hat, weil Kirch die in Hollywood teuer eingekauften Filmpakete senden will. Das Bundeskartellamt will den Fall dennoch an die Brüsseler Kollegen abtreten. Nun liegt es an Wettbewerbskommissar Karel Van Miert, ob er übernimmt.