Berlin

In Windeln wickeln würde Architekturstudentin Sabine Horlitz gern alle Raver, die am Samstag bei der Love Parade antanzen. Denn 800 000 Liter Urin von einer Million Besuchern, so hat die Technische Universität Berlin errechnet, drohen auch diesmal wieder im Tiergarten zu versickern. Kein Pipifax also.

Deshalb hat der Fachbereich Architektur zu Beginn des Sommersemesters einen Ideenwettbewerb ausgeschrieben - gesucht: ein "Ab-Ort" für die Love Parade.

Bisher ist bei Deutschlands größter Party "wüstes Wildpinkeln" angesagt. "Die Bäume nehmen durch die Überdüngung Schaden", warnt der Naturschützer Albert Wotke vom BUND Berlin. Zwar fahren am Morgen nach der Liebesparade Spülfahrzeuge im Tiergarten auf, um die in Grund und Boden getanzten Pflanzen aufzufrischen und den Urin im Boden zu verdünnen, doch die Feinwurzeln würden verseucht, meint Wotke.

Solange sich die zuckenden Massen durch den Tiergarten wälzen, sei die Raverei böser Raubbau an Berlins grüner Lunge. Da nütze es wenig, daß DJ Dr.

Motte nach den Verwüstungen der vorletzten Love Parade voller Reue dem BUND beigetreten sei und seitdem verkündet: "Die Bäume sind unsere Freunde." Auch Mottes Flehen, die Pipi-Boxen zu benutzen, wird nach Wotkes Beobachtungen von den Techno-Jüngern nicht erhört: "Statt anzustehen, schlagen sie sich in die Büsche. Da ist es egal, wie viele Klohäuschen aufgestellt werden." Dieses Jahr werden es 650 sein, die TU war bei ihrem Wettbewerb von einem Mindestbedarf an 1400 "Ab-Orten" ausgegangen.

Unter den prämierten Entwürfen der Studenten sind einige, die den Gang aufs Klo zum Event machen: Jonas Schmidt-Thomsen ließ sich vom Bedürfnis der Raver leiten, alle Ampelanlagen, Sraßenlaternen und Verkehrsschilder zu erklettern, und versetzte das Klo in luftige Höhen. Nur über eine Leiter sind seine kugelförmigen, wie Sonnenbrillen verspiegelten Kabinen zu erreichen, die dann beim Pinkeln den optimalen Blick über die "wabernde Millionen-Herde" ermöglichen. Jurij von Ortenberg plazierte seinen Entwurf mitten in die gigantischen Lautsprecherboxen, Simone Schering und Christa Wäschle überzeugten mit der Idee "Katzenklo macht Raver froh": In einen künstlichen Hain am Rande des Tiergartens stellten sie Plastikwannen mit Katzenstreu.