In Friedrich Wilhelm Murnaus "Faust"-Film erinnert der Teufel hämisch an die verrinnende Zeit: Während sein teurer Freund sich vergnügt, schwingt Mephistopheles die Ampel, die den Raum schwach erhellt, wie ein Uhrenpendel - Zeit ist Licht. Sohrab Shahid Saless hatte ein absolutes Gefühl für die Zeit, wie alle genialen Filmkünstler. Doch in seinen kleinen und großen Meisterwerken, in "Reifezeit" (1975), "Utopia" (1982) oder "Grabbes letzter Sommer" (1980), verrinnt sie nicht. Sie ist erstarrt zu einer Glasglocke, wird zu einem seltsamen, halb drückenden, halb fahlen Zwielicht, in dem das Leben unendlich langsam versickert. Saless selber hat in den unterschiedlichsten Zeiten, Welten gelebt: Aus Persien, wo er 1944 (in Teheran) geboren wurde, wo er aufwuchs und erste Erfolge feierte, floh er vor dem Schahregime nach Europa. Preisbekrönt auf allen Festivals von Chicago bis Berlin, zählte man ihn bald zu den Protagonisten des neuen deutschen Films.

Seine Arbeiten (meist für das Fernsehen entstanden), in denen er die rohesten Winkel der deutschen Provinz zwischen Detmolder Biedermeier und Berliner Kiez beschwor, halfen mit, die deutsche Filmkunst zu entprovinzialisieren. Ein Erfolg ohne Dauer: In der neuen Quoten-&-Zoten-Industrie war kein Platz mehr für ihn. Vor einigen Jahren ging Saless in die USA. Dort, in Washington, ist er, wie erst jetzt bekannt wurde, am 2. Juli gestorben.