Die Fenster sind vernagelt, der Blick ist durch Baukräne verstellt.

Bewohnt ist das verfallende Einfamilienhaus dem Anschein nach schon lange nicht mehr. Hier, in der Grillparzergasse Numero 10 im niederösterreichischen Mödling, soll der größte Einzelspender der rechtsradikalen Deutschen Volksunion (DVU) wohnen.

Dies behauptet zumindest die DVU in ihrem aktuellen Bericht über Einnahmen, Ausgaben und Vermögenswerte (Bundestagsdrucksache 13/10074), der dieser Tage vom Referat Parteienfinanzierung des Deutschen Bundestags veröffentlicht wurde. Unter der Rubrik "Verzeichnis der Spenden" führt sie den Namen "Dipl.Ing. Dr. August Fritz Liesegang, Grillparzerstraße 10, 2340 Mödling (Österreich)" mit einer Spende von rund 350 000 Schilling (etwa 50 000 Mark) an.

Doch an der angegebenen Adresse (in Mödling gibt es zudem nur eine Grillparzergasse und keine -straße) kann es nach menschlichem Ermessen keinen August Fritz Liesegang mehr geben. Dieser ist nämlich nach Angaben des Sterberegisteramts Mödling bereits im Jahr 1994 verstorben. Die Spende hätte er demnach zwei Jahre nach seinem Tod überwiesen.

Das könnte die Rechtspartei und ihren Führer Gerhard Frey ziemlich teuer zu stehen kommen. Denn das Parteiengesetz schreibt für die Offenlegung von Spenden strengste Maßstäbe vor: Danach müssen die Parteien Einzelspenden von mehr als 6000 Mark unter genauer Angabe "des Namens und der Anschrift des Spenders" veröffentlichen.

Doppelt bitter ist für die DVU, daß sie bereits vor einer Woche für ein ähnliches Delikt von Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth mit einer Geldbuße von rund 540 000 Mark belegt wurde. Die Frey-Partei hatte bei ihrem Rechnungsabschluß aus dem Jahr 1995 ebenfalls eine getürkte Adresse angegeben. Damals behauptete die DVU, ein ominöser Jacques de Mathan habe rund 270 000 Mark gespendet. Bei näherem Hinsehen stellte sich aber heraus, daß die angegebene Wohnadresse ein abbruchreifes Hotel in Villingen-Schwenningen war und Mathan tatsächlich in Paris lebte. Auf Anfrage der französischen Tageszeitung Le Monde konnte sich Mathan an die großzügige Spende zudem nicht mehr erinnern.

Nach Paragraph 23 des Parteiengesetzes verliert eine Partei, die eine eingegangene Spende nicht ordnungsgemäß angibt, den Anspruch auf staatliche Mittel in doppelter Höhe dieser Spende.