Die Fronten im Konflikt zwischen Naturschutz und Naturnutzung sind allerdings längst nicht mehr so verhärtet wie noch vor einigen Jahren. Im Auftrag des Naturschutz-Bundesamts hat der Münchner Landschaftsökologe Hans-Joachim Schemel eine Studie zur Schaffung von "Naturerlebnisräumen" erstellt. Diese neue Kategorie soll die Bedürfnisse von Flora und Fauna auf der einen und dem Menschen auf der anderen Seite versöhnen.

Schemel versteht darunter städtische Flächen von zwei bis zehn Hektar Größe, auf denen die Natur sich selbst überlassen wird. Jung und alt sollen hier nicht nur ehrfürchtige Blicke auf Pflanze und Tier werfen, sondern selbst durchs Unterholz streifen und Äste abbrechen dürfen. Schemel wandte sich dagegen, "daß der die Wege verlassende Mensch ein Störenfried ist".

Ob diese Idee vom urbanen Wildnistummelplatz bei den Kommunen auf große Gegenliebe stößt, bleibt abzuwarten. Doch wie sehr gerade Kinder und Jugendliche, die in der Stadt auf genormte Spielplätze angewiesen sind, alltägliche Naturerlebnisse entbehren, beweist eine neue Untersuchung des Marburger Soziologen Rainer Brämer. Die 2500 befragten Schüler wußten zwar, daß Kühe nicht lila sind, aber immerhin gaben 16 Prozent aller Sechstkläßler zu Protokoll, Enten seien gelb.