Frankfurt/Oder Der Verteidiger trommelt mit den Fingern, der Richter seufzt ein mattes "Noch weitere Fragen?". Acht Stunden sitzt man schon im Landgericht Frankfurt/Oder beisammen, und die rothaarige Frau in der schwarzen Robe hört nicht auf zu fragen - bohrend, insistierend, so lange, bis sie klare Antworten bekommt.

Genau das reizt die Staatsanwältin an ihrem Beruf, genau das nervt die routinierten Verteidiger aus Westberlin. "Wenn die Frau Staatsanwältin weiter so fragt", poltert einer, "werden wir überhaupt nicht mehr antworten!"

Es ist der 36jährigen Petra Marx zu verdanken, daß nun zumindest ein juristischer Schlußstrich unter ein spektakuläres Kapitel von Fremdenfeindlichkeit gezogen werden kann: Im Herbst 1992 ging im brandenburgischen Dolgenbrodt eine Flüchtlingsunterkunft in Flammen auf - genau einen Tag, bevor dort 86 Asylbewerber einziehen sollten. Wenig später hing über der Gemeinde mit 250 Einwohnern der ungeheuerliche Verdacht, ehrbare Dorfbewohner hätten bei rechtsradikalen Brandstiftern den "warmen Abriß" in Auftrag gegeben.

Zweimal sind Gerichte an der Aufklärung dieses Vorwurfs gescheitert. Zu undurchdringlich schien das Lügengestrüpp einer verschworenen Dorfgemeinschaft. Doch Staatsanwältin Marx hat keine Ruhe gegeben. "Das Ereignis selbst war schlimm genug, aber daß es der Justiz nicht möglich sein sollte, es aufzuklären, war mir unerträglich", sagt sie heute. Deshalb hat sie akribisch weiter ermittelt, hat Verflechtungen entwirrt, scheinbar abwegige Querverbindungen aufgespürt und schließlich die Hintermänner der Brandstifter auf die Anklagebank gebracht.

Zwei Dorfbewohner, in Dolgenbrodt bis heute angesehene Bürger, haben gestanden, die Zündler aus der Neonaziszene bezahlt zu haben, zwei weitere leisteten Beihilfe. Am vergangenen Freitag wurden sie zu Bewährungsstrafen bis zu zwei Jahren verurteilt. Für Anklägerin Petra Marx ist dies auch ein persönlicher Erfolg, denn sie war "Herrin des Verfahrens".

Die "Herrin" geht auf knallroten, steilen Absätzen über Gerichtsflure und stellt sich, perfekt geschminkt, den Fernsehkameras. Ein Paradiesvogel im Justizapparat, mit einem Lachen, daß die Türen wackeln. "Na und", fragt Petra Marx, "muß ich mich als verknöcherte Juristin verkleiden, um meinen Berufsstand zu vertreten?" Zu feminin, zu impulsiv und als Juristin aus dem Osten zu leicht aufs Glatteis zu führen, um erfolgreich zu sein - so dachte mancher. "Unterschätzt zu werden", sagt sie, "kann auch von Vorteil sein."

Manchmal verheddert sich die selbstbewußte Frau in ihren Fragen - doch "irgendwie habe ich immer erreicht, was ich mir in den Kopf gesetzt habe".