Alle Welt macht sich Sorgen um Japans Banken und ihren Berg fauler Kredite. Ginge es nach Yoshimi Sukegawa, Chef des Panzerschrankfabrikanten King in Tokio, dürfte die japanische Regierung dieses Problem allerdings ruhig noch eine Weile schleifen lassen. Die Firma baut Geldkassetten und Tresore für den Hausgebrauch und kann derzeit gar nicht so schnell liefern, wie die Kunden bestellen. Die Japaner, von ständigen Medienberichten über die Bankenkrise und von spektakulären Bankenpleiten verunsichert, deponieren ihr Geld zunehmend innerhalb der eigenen vier Wände. "Es ist ganz eindeutig, daß die Krise gut ist für unser Geschäft", sagt Sukegawa. "Die Leute haben Angst um das Geld, das sie auf der Bank liegen haben. Sie finden es viel sicherer, es zu Hause im Tresor zu verwahren."

Japans Tresorverkäufer sind die einzigen, die sich über die Bankenkrise freuen. Der Rest der Welt ist sich einig: Die Gefahr, die von den faulen Krediten ausgeht, stellt ein großes Problem für die japanische Wirtschaft dar. Seit die Spekulationsblase geplatzt ist und die Preise für Aktien und Immobilien steil gefallen sind, sitzen Nippons Banken auf Problemkrediten in Höhe von zirka siebzig Billionen Yen, umgerechnet rund einer Billion Mark.

Das entspricht etwa dem gesamten jährlichen Bruttosozialprodukt Spaniens.

Angesichts der Asienkrise und der beginnenden Rezession in Japan gilt das Problem, das acht Jahre lang von der japanischen Regierung verdrängt und verschleppt wurde, bei den meisten Ökonomen als das größte Wachstumshindernis für ganz Asien. Die strauchelnden Banken vergeben jetzt zu wenige Kredite und strangulieren so nicht nur unzählige eigentlich gesunde japanische Unternehmen, sondern auch die nach Kapital dürstenden asiatischen Nachbarländer.

In den Chor derjenigen, die Japans Premier Ryutaro Hashimoto zu eiligen Gegenmaßnahmen aufrufen, reihte sich auch US-Präsident Bill Clinton ein. Für die japanische Regierung besonders schmerzlich: Clinton wiederholte seine Aufforderung ausgerechnet auf chinesischem Boden - obwohl man in Japan ohnehin schon beleidigt war, daß er auf dem Rückweg von Peking nach Washington nicht in Tokio Station machte. "Ohne Wachstum in Japan wird es kein neues Wachstum in Asien geben", sagte Clinton während einer Radiosendung in Shanghai. Im gleichen Atemzug lobte er Japans Rivalen China dafür, daß er trotz des jüngsten Wertverfalls des japanischen Yen seine Währung stabil gehalten hat.

So viel Druck von außen zwang selbst die zögerliche japanische Regierung zum Handeln. Am Donnerstag vergangener Woche verkündete sie einen Auffangplan für diejenigen ihrer Banken, die künftig für bankrott erklärt werden. In geschickter, vor allem an die Adresse der Kritiker in den USA gerichteter Public-Relations-Arbeit verkündete Tokio die Absicht, insolvente Bankhäuser im Notfall in sogenannte Überbrückungsbanken unter staatlicher Kontrolle umzuwandeln. Damit wird eine große Nähe dieses Planes zum erprobten Konzept der bridge bank nahegelegt, mit dessen Hilfe die US-Regierung seit 1987 ihre Savings-and-Loan-Krise gemeistert hat.

Die japanische Finanzaufsichtsbehörde, erst kürzlich ins Leben gerufen, darf künftig Privatbanken für insolvent erklären und auch gleich deren Management übernehmen. Für Problemkredite, die eindeutig nicht einzutreiben sind, kommt dann die staatliche Bank für Abwicklung und Auflösung (Resolution and Collection Bank) auf. Gleichzeitig wird für die so entstandene Überbrückungsbank ein Käufer gesucht. Die gesunden oder weniger problematischen Kredite der Bank werden separat verkauft. Falls weder ein Käufer noch ein Fusionsinteressent gefunden wird, soll die Überbrückungsbank in einer zweiten Phase in staatlichen Besitz überführt und binnen maximal fünf Jahren saniert werden.