Man nehme: ein finanzkräftiges Unternehmen. Das gründet ein Institut und heuert veritable deutsche Professoren als Berater und Mitarbeiter an. Prompt liefern die in Rekordzeit eine Studie ab, die - natürlich ganz wissenschaftlich und mit eindrucksvollen mathematischen Formeln untermauert - eindeutig beweist, was der Auftraggeber ohnehin schon immer behauptet hat: daß sein Produkt allen Konkurrenzangeboten weit überlegen ist. Zu plump, um wahr zu sein? Leider nein.

Anfang des Jahres hat die Deutsche Bank das "Institut für Altersvorsorge" gegründet. Dessen Aufgabe soll es sein, "das Thema Altersvorsorge wissenschaftlich zu erfassen" und "die Bevölkerung für die notwendigen Vorsorgemaßnahmen zu sensibilisieren und herstellerneutral zu informieren".

Ein wackerer Anspruch. Nur: Das erste Werk - ein Renditevergleich zwischen der gesetzlichen Rentenversicherung und Wertpapieren sowie Lebensversicherungen - aus der hauseigenen Denkfabrik erfüllt ihn in keiner Weise. Die Verfasser haben ihr Rechenmodell so geformt, daß rauskommen mußte, was wohl rauskommen sollte: Die Rendite der gesetzlichen Rentenversicherung tendiert danach zukünftig bestenfalls gegen Null, der Kauf von Aktien ist die rentierlichste Form der Altersvorsorge - eine aus Werbekampagnen der Kreditwirtschaft altbekannte Botschaft.

Warum aber dann der ganze Aufwand? Nun, es geht um viel Geld. Die Banken sind Spätstarter beim Kampf um die Spargroschen, die die Bundesdeutschen für ihre private Altersvorsorge beiseite legen. Die flossen bislang vorwiegend in Kapitallebensversicherungen - immerhin rund 64 Milliarden Mark allein im vergangenen Jahr. Das wollen die Kreditinstitute ändern.

Und das ist denn auch das eigentlich Pikante an der Auftragsarbeit der Deutschen Bank: Nicht nur die gesetzliche Rentenversicherung bekommt - erwartungsgemäß - schlechte Noten. In einem Aufwasch werden vielmehr auch die Lebensversicherer abgewatscht. Die Studie kommt nämlich zu dem Schluß, daß zwischen 1980 und 1995 selbst mit risikolosen Rentenpapieren deutlich höhere Renditen zu erzielen waren als mit einer Lebensversicherung. Der logische Schluß für den Leser: Dumm also ist nicht nur, wer Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zahlt, sondern auch der, der eine Lebensversicherung abschließt. Norbert Blüm darf sich freuen: Wenigstens steht er nun nicht mehr alleine in der Schußlinie - bei so viel Geld hört offenbar jede Freundschaft auf.