Die Pferde der französischen Ritter versanken im Schlamm. Die Reiter blieben mit ihren schweren Rüstungen manövrierunfähig im weichen Boden stecken und wurden von den englischen Bogenschützen mit Pfeilen überschüttet.

Das sumpfige Schlachtfeld von Azincourt bescherte 1415 der stolzen französischen Kavallerie ein verheerendes Debakel.

Hätte es freilich vor der Schlacht nicht geregnet, wäre die Strategie der Franzosen aufgegangen: Sie hätten die Bogenschützen Heinrichs V. schlicht überrannt. Der Hundertjährige Krieg wäre vermutlich ein halbes Jahrhundert früher beendet gewesen. Ein Zufall, wie ihn der ehemalige Kriegsberichterstatter Erik Durschmied in vielen Schlachten zu entdecken glaubt. Für ihn entscheidet der "Hinge-Faktor" über Sieg oder Niederlage. Zum "springenden Punkt" (englisch: hinge) kann dabei alles Unerwartete werden: das Wetter, Dummheit, Gehässigkeit oder persönliches Machtstreben.

Diesen "Hinge-Faktor" beschreibt Durschmied anhand von fünfzehn Schlachten.

Die Fehlschüsse erinnern an den March of Folly, den Barbara Tuchman für die Versäumnisse der Politiker aufgezeigt hat. Als 1788 Kaiser Joseph II. den Balkan von den Türken befreien wollte, geriet sein Heer in Panik, weil jemand "Die Türken kommen!" gerufen hatte. Alle ergriffen die Flucht, der Kaiser landete im Fluß, die Schlacht von Kransebes wurde zum lächerlichen Desaster.

Bei Waterloo gelang es 1815 der französischen Kavallerie wegen einiger fehlender Nägel nicht, die 156 eroberten englischen Kanonen auszuschalten.

Eine Handvoll Eisenstifte hätte genügt, um die Zündlöcher der Kanonen zu zerstören. Doch Nägel waren nicht aufzutreiben, Wellingtons Artillerie begrub Napoleons Cavalerie Impériale unter einem Kugelhagel.