Das Klima zwischen Gesundheitsminister Horst Seehofer und einem Teil der deutschen Zahnärzte ist wieder einmal eisig. Diesmal werden die streitenden Parteien wohl eine ganze Weile lang nur noch über die Anwälte miteinander reden.

Deutschlands Zahnärzte gehören noch immer zu den Besserverdienenden. Sie liegen mit ihrem Einkommen sogar über dem Durchschnitt der übrigen Mediziner.

Aber das reicht ihnen nicht. Die gesundheitspolitischen Sparaktionen hätten sie, so die häufige Klage, an den Rand des Ruins gebracht. Daß sich die Bonner Sparmaßnahmen, die von der Koalition als wegweisende Reformen verkauft wurden, nachhaltig in der Einkommensstatistik der Zahnmediziner niedergeschlagen hätten, ist aber nicht einmal in den selbstaufbereiteten Statistiken der Zahnärzte zu erkennen. Aus dem jüngsten Jahrbuch der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) lassen sich für die Jahre zwischen 1990 und 1996 Umsatzsteigerungen um durchschnittlich vier Prozent pro Jahr errechnen. Nach Abzug der Kosten lagen die Einkommen (West) 1996 bei knapp 200 000 Mark. Das waren rund 16 000 Mark mehr als 1990.

So schlecht ist das nicht, zumal zu diesen Einkommen aus dem Geschäft mit der GKV auch noch die Honorare der Privatpatienten addiert werden müssen.

Verläßliches Material dazu gibt es nicht

das Zubrot aus der Privatbehandlung wird vorsichtig auf ein Fünftel des GKV-Einkommens geschätzt. Da zunehmend häufiger zu hören ist, daß Zahnärzte sich aus Ärger über die Gesundheitspolitik vom Kassengeschäft zurückziehen, um nur noch privat zu behandeln, scheint ein Überleben ohne Kassen möglich.

Auch in der Vergangenheit haben die Zahnärzte auf der sonnigen Seite des Medizin-Metiers gelebt. So stiegen die Ausgaben für die zahnärztliche Behandlung seit 1960 um das 25fache, die für die übrige ärztliche Behandlung nur um das 18fache. Dennoch ist ein Teil der Zahnärzte unzufrieden. Etwa ein Drittel der Branche, ganz oben die KZBV, widersetzt sich einer Anweisung, die Gesundheitsminister Seehofer letzte Woche gegeben hat. Nach monatelangem Wortgeplänkel dekretierte er, die Zahnärzte hätten geltendes Recht einzuhalten. Konkret: "Zahnersatzleistungen im Rahmen der vertragszahnärztlichen Versorgung sind bis zum 31. Dezember 1999 auf den 1,7fachen Gebührensatz (im Osten auf den 1,86fachen) der Gebührenordnung für Zahnärzte begrenzt."