Als die Sache mit Millie passierte, bekamen die Leute es mit der Angst zu tun. Es war der dritte Selbstmord in nur einer Woche.

Am Abend zuvor war sie noch im Pub gewesen, ausgelassen, geradezu fröhlich, eigentlich gar nicht ihre Art. Irgendwann hat sie ihren Freun-den Küsse auf die Wangen gedrückt, ganz so, als wäre nichts, und verschwand.

Es war eine mondlose Augustnacht, der Rangatikei führte kaum Wasser, und das kniehohe Gras war naß vom Tau, als sie einen Schlauch am Auspuff ihres Mitsubishi Lancer befestigte, ihn ins Wageninnere lei-tete, den Motor startete, die Doors in den Taperecorder schob und das Leben gehen ließ.

"Death makes angels of us all / and gives us wings for we have shoulders / smooth as raven claws. / No more money, no more fancy dress, / this other kingdom seems by far the best."

Als der Sauerstoff knapp wurde, ist ihr Hund hinten auf der Rückbank ausgerastet. Morgens jedenfalls war das Kunstleder zerfetzt, als sei eine Bestie am Werk gewesen und nicht ein kleiner Hirtenhund. Millie ist also vor ihm abgetreten, da waren sich alle sicher, denn das hätte sie nicht mit ansehen können. Ansonsten war in Marton nichts mehr sicher.

Nur eine Woche vorher hatten sich neben dem Brückenpfeiler am Ufer gegenüber zwei andere junge Menschen von diesem Planeten verabschiedet. Arm in Arm und grußlos. Das Mädchen, Jade, hätte an dem Tag ihren fünfzehnten Geburtstag feiern können, und Nick war zwanzig und ein guter Typ, das sagt zumindest heute jeder.

Als die Nachricht von Millies Tod sich mit gedämpfter Stimme in dem 7000-Seelen-Kaff verbreitete, veränderte sich die Luft in Marton. Als hätte sich eine Bleischicht auf die Gemüter gelegt. Das Atmen fiel schwerer, das Sprechen sowieso, und sogar die Schritte wurden langsamer. Doch unter der Ohnmacht blitzte die Panik auf wie ein Stachel. Eltern schlichen abends in die Zimmer ihrer Kinder, und die wenigen, die Worte fanden, fragten: "Du lebst doch gern?"