Wie hart der Kostenwettlauf mittlerweile ist, machen RWE-Berechnungen deutlich, nach denen die Kilowattstunde aus einer neuen Gasturbine nur 6,5 bis 7 Pfennig kostet. Wenn die Gaspreise weiter sinken, erklärte Manfred Timm, Chef der Hamburger HEW, werde das Kernkraftwerk Brunsbüttel stillgelegt und durch ein Gaskraftwerk ersetzt. Gefahr für die Kernkraftwerke gehe nicht mehr von "linken Ideologen", sondern von "rechtsliberalen Wettbewerbseuphorikern" aus.

Spannend wird es nach der Bundestagswahl. Unabhängig davon, wer ab Oktober das Land regiert: In der Atompolitik stehen wegen wachsender Kostenprobleme eine Reihe von Korrekturen bevor. Erstens spricht viel dafür, die Wiederaufarbeitung von abgebrannten Brennstäben im Ausland zu stoppen. Die Plutoniumwirtschaft ist nicht nur umweltschädlich, sondern schlicht zu teuer.

Mindestens dreißig Jahre werde der Atomausstieg noch dauern, verkündete Kandidat Schröder noch Anfang Juli zur Verblüffung der Grünen. Mit den markigen Worten will der niedersächsische Ministerpräsident seine Wirtschaftsfreundlichkeit unter Beweis stellen. In der Branche kursiert sogar das Gerücht, PreussenElektra-Aufsichtsrat Schröder lasse sich seine energiepolitischen Positionen direkt vom Vorstandsbüro des Atombetreibers schreiben.

Restlaufzeiten von dreißig Jahren sind selbst Angela Merkel zu lang - "wenn bei den Kernkraftwerken alles so bleibt, wie es heute ist". Um die Atomkraft noch drei Jahrzehnte nutzen zu können, müsse das Sicherheitsniveau durch den Bau des Europäischen Druckwasserreaktors verbessert werden. Somit ist das Ende des EPR der Beginn des Ausstiegs aus der Atomkraft.