Die Brücken in die Zukunft werden hierzulande demnächst nicht mehr von schnöden Diplomingenieuren konstruiert. Diese dürfen sich bald zusätzlich mit dem Titel Master of Engineering oder Master of Science schmücken. Unterstützt werden sie von jungen Frauen und Männern, die per Kurzstudium einen akademischen Grad namens Bachelor erworben haben.

So will es jedenfalls der einflußreiche Verein Deutscher Ingenieure, VDI, der vergangene Woche in Bonn seine Ideen zur Reform des Technikstudiums vorgestellt hat. Während sich die Philosophen der deutschen Hochschulen auf ihrem Fakultätentag erst jüngst gegen die Einführung von Bachelor- und Master-Studiengängen ausgesprochen haben, setzt der VDI darauf, diese im neuen Hochschulrahmengesetz vorgesehene Möglichkeit zu nutzen.

Es geht allerdings um mehr als neue Etiketten. Der VDI verkauft seine Vorschläge fast unter Wert als Anpassung an die Erfordernisse der Internationalisierung; denn würden sie umgesetzt, bekäme die deutsche Ingenieurausbildung ein neues, ein frischeres Gesicht.

Aufeinander aufbauende Studiengänge machen es möglich, mit dem Bachelor schon nach drei bis vier Jahren einen berufsqualifizierenden Abschluß zu erwerben und nach einigen Jahren Berufserfahrung den Master-Titel - berufsbegleitend oder als Vollzeitstudent. Der schnelle Wandel der Technik verlangt solche Modelle des Arbeitens und Lernens. So könnte man die gegenwärtige Absurdität verhindern, daß die Industrie den Mangel an Ingenieurnachwuchs bejammert - und gleichzeitig über 60 000 Ingenieure arbeitslos sind, weil ihr Können nicht mehr gefragt ist.

Auch die Hochschullandschaft wird sich verändern, wenn, wie der VDI vorschlägt, sowohl Universitäten als auch Fachhochschulen Bachelor- und Master-Studiengänge anbieten dürfen. Es hat seinen Charme, wenn der Ingenieurverein hier nicht Prinzipien reitet, sondern den Wettbewerb entscheiden lassen will. Aber dann muß auch für Waffengleichheit gesorgt werden und mehr Geld in Richtung der Fachhochschulen fließen. Sonst werden die Fachhochschulen zu Bachelor-Schmieden entwertet, und der Master-Glanz bleibt den Technischen Universitäten.

Weil Ingenieure heutzutage nicht mehr still vor sich hin konstruieren, sondern Kunden beraten, Maschinen verkaufen und in der Konstruktion mit Zulieferern und Kollegen im Team arbeiten, soll die Vermittlung sozialer Fähigkeiten einen festen Platz im Studium bekommen, ebenso Themen wie Technikbewertung und Ökologie.

Vielfalt darf nicht zu Wildwuchs werden, und Wettbewerb kann nur fruchtbar sein, wenn der Markt transparent und die Qualität der Ausbildung kontrollierbar ist. Deswegen ist es zu begrüßen, daß vor kurzem bedeutende Hochschulen wie die RWTH Aachen, die ETH Zürich und die TU München einen Akkreditierungsverbund gegründet haben, der für die Bachelor- und Master-Studiengänge Mindeststandards festlegen und sichern soll. Wem also die neue Unübersichtlichkeit nicht behagt, der kann sich daran orientieren, ob der gewünschte Studiengang sich diesem TÜV gestellt hat.