Ganz gleich, was die Bürger von ihnen wollen - Heike Rumpf und Stefan Schneider vom Stadtbüro der Gemeinde Arnsberg im Sauerland sind für alles zuständig. Ob Wohngeld oder Personalausweis, Lohnsteuer oder Meldebestätigung, die beiden jungen Verwaltungsbeamten bearbeiten alle Anliegen der Bürger im Stadtteil Alt-Arnsberg. Eigentlich ist Heike Rumpf für den Stadtteil Öjentrop zuständig, doch da sich in Alt-Arnsberg die Arbeit häuft, ist sie hier kurzerhand eingesprungen. Ohne Anweisung. So etwas regeln die Teams, wie die Arbeitseinheiten hier heißen, unter sich.

Die Bürger sind mit dem Service zufrieden, wie Umfragen zeigen. Gibt es Grund zur Beschwerde, können sie ihren Unmut am Bürgertelephon loswerden. Eine Antwort innerhalb von 24 Stunden wird garantiert.

Vogel hat die Verwaltung komplett umgestülpt. Die Ämter wurden dezentralisiert, die Teams bekamen eigene Budgets - wie in einigen anderen deutschen Kommunen. Aber auch die Arbeitszeiten der Staatsdiener sind flexibler geworden, die Abläufe wurden den Wünschen der Bürger angepaßt. Dabei hat Arnsberg die Nase in Deutschland vorn.

Einige öffentliche Aufgaben hat Vogel privatisiert, die Gebäudereinigung etwa und die Wartung der behördeneigenen Fahrzeuge. Damit spart die Stadt über 800 000 Mark im Jahr.

Am liebsten überläßt Vogel städtische Aufgaben den Bürgern. So werden die Sportanlagen nicht mehr von der Stadt gepflegt, sondern von Vereinen. Seitdem gibt es weniger Beschwerden. "Die Menschen sind eben bereit, etwas zu tun", meint der Stadtdirektor. Deshalb reicht ihm auch Kundenorientierung nicht mehr; er hat eine neue Parole ausgegeben: "Bürgeraktivierung".

Die finnische Modellgemeinde Hämeenlinna ist einige Schritte weiter. Deshalb wollen die Arnsberger von den Finnen lernen. Getreu dem nordischen Vorbild haben sie Arbeitskreise in den Stadtteilen eingerichtet. Dort treffen sich Bürger, Verwaltungsangestellte, Politiker und Unternehmer, um örtliche Probleme zu lösen. Eines davon: Kaum jemand geht noch zum Einkaufen in die Innenstadt. Nun soll sie attraktiver werden.

Ältere Bürger animiert die Stadt zur Nachbarschaftshilfe. Das spart Geld. Aber fallen Arbeitsplätze weg, wenn die Alten die noch Älteren pflegen oder den Jüngeren die Steuererklärungen schreiben? "Wir wissen noch nicht, wo uns dieser Weg hinführt", sagt Vogel. "Aber auf Bonn können wir nicht warten. Wenn wir nichts tun, fliegt uns der Laden auseinander."