Kennen Sie eigentlich das sehr schöne Hölderlin-Wort vom ewigen Fehl? Für unser täglich Leben heißt es, daß alles zuwenig ist, selbst wenn es im Überfluß vorhanden wäre. Auch der Volksmund sagt bekanntlich, daß weniger durchaus mehr wäre, obwohl dann noch immer etwas fehlt. So ist beim Kirschkernweitspuckwettbewerb in Monchérie (Südfrankreich) dem deutschen Favoriten der Kern im Halse steckengeblieben. Kürzer wäre weiter gewesen und flacher höher. Auch ist der Deutsche bei Regen nicht automatisch unglücklich, während es sich unter Sonne auch umgekehrt verhalten kann. Der Umstand, daß Schumi bei Regen gewinnt, während die Berliner Love Parade ins Wasser fällt, macht den Satz "Es gibt nichts Neues unter der Sonne" mehr oder weniger falsch. Zum Beispiel war ja bei der Fußballweltmeisterschaft in Frankreich die Sonne schuld an der Niederlage, weil sie auf Anordnung der Fifa die deutschen Bertimänner sehr schnell altern ließ. Danach war für die Deutschen hitzefrei und Frankreichs Multikulti-Combo konnte mit Brasilien Katz und Maus spielen. Etwas fehlt eben immer, oder wie der FIFA-Präsident Sepp Blatter den Bertimännern mit auf den Heimweg gab: "Man muß den Ball schon mitnehmen, wenn man über den Platz rennt."

Nun lästern böse Zungen, Deutschland sei wie seine Bertimänner. Frankreich hat Vision. Deutschland Transpiration. Die Früchte des Wirkens verschwinden im Export. Die Temperatur sinkt und der Dax steigt. Beate Uhse geht an die Börse. Viel Mangel herrscht im Überfluß. Der Rand ist ohne Mitte. Das war schon Hölderlins Fehlanzeige. Sinnlos rasen die Kuriere des Königs durch die Welt und suchen das Zentrum. Auch der Spiegel hat es endlich bemerkt und verlangt den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses. Den Gesamtdeutschen fehle die "nationale Würde" und der "Anmutszauber der Geschichte". Ihnen fehlt ein "Auftrumpfen in Schönheit", der "elektrisierende Appell an Stolz und Tradition".