Auf hohem Niveau wurde jetzt bestätigt, was wir alle längst wissen: Wir sind auf dem Weg von der Industrie- in die Wissensgesellschaft. Rund tausend Experten wurden im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie von Prognos/Infratest befragt. Nun wissen wir, wo wir leben, nämlich in einer Gesellschaft, "in der Wissen immer zentraler wird als Voraussetzung für die Verständigung auf gemeinsame Ziele, für die Sicherung der wirtschaftlichen Entwicklung sowie für das soziale Handeln und die gesellschaftliche Position des einzelnen". So jedenfalls steht es im "integrierten Abschlußbericht" der Expertenbefragung, dessen Befund etwa so lautet: Die Gesellschaft soll sich ändern, muß sich ändern, und sie ändert sich auch. Allerdings zu langsam.

Aber wissen die Fachleute auch, was Wissen ist? Immer dann, wenn sie sich an eine Definition heranmachen, fallen die Autoren der Studie begrifflich zurück in die totgesagte Industriegesellschaft. Wissen sei ein Potential, eine Menge, eine Produktivkraft, die - seltsam genug - ihrerseits produziert wird. Wissen unterliege aber auch wie eine Ware dem Angebot und der Nachfrage, es habe konkreten Nutzen, wecke und decke Bedarf und sei außerdem "gleichsam das, was man im Kopf hat".

Viel genauer hingegen kennen sich die befragten Experten in der Vielzahl verschiedener Sorten von Wissen aus. Da gibt es das Grund- und Basiswissen, das Allgemeinwissen, das Fachwissen, das wissenschaftliche Wissen, das explizite und das implizite Wissen, das statische und das dynamische Wissen, das Folgenwissen, das vernetzte Wissen, das Erfahrungswissen, das Metawissen, das Bewältigungswissen und nicht zuletzt das Nichtwissen, dessen Bedeutung immer mehr zunehme.

Wer sich durch diesen Wissensdschungel gequält hat, weiß zum Schluß nur noch, daß er vom Wissen nichts mehr wissen will. Und der Weg in die Wissensgesellschaft verliert sich im Nebel der Begriffe.