Auf Kinder war ich nie eingestellt. Mit einem Mann zurechtzukommen, fand ich schon kompliziert genug. Dabei war ich viele Jahre mit einem zusammen, der unbedingt Kinder wollte. Ich konnte diesen Wunsch nicht einordnen, fand ihn sogar verletzend, weil ich spürte, daß er nicht seiner Zuneigung für mich entsprang, sondern seinem Fortpflanzungswahn. Das hat mich so beleidigt, daß die Beziehung daran schließlich gescheitert ist.

Ich brauche viel Zeit für mich, und ich hatte immer Angst, Kinder könnten mich verschlingen und von etwas abhalten. Kinder haben sehr große Ansprüche, da darf man sich nichts vormachen, und die haben sie auch zu Recht.

Was ich da im Bekanntenkreis gesehen habe, war nie Vorbild für mich. Es hat mich immer abgestoßen, wie Mütter ihr Leben mit dem der Kinder vermischen, ihre Kinder okkupieren, sie viel zu schnell als Vertrauenspersonen mißbrauchen und die Grenze zwischen sich und dem Kind nicht respektieren. Ich habe oft den Eindruck, daß Kinder für die Leerstelle im eigenen Leben stehen. Ich habe mir dann zugute gehalten, daß ich mich wenigstens bemühe, diese Leerstelle durch eigene Ideen auszufüllen und nicht durch ein Kind.

Bekannte von mir haben zwei süße Kinder, die ich sehr mag, aber die Ehe der Eltern ist unerträglich. Es ist für mich eine schreckliche Vorstellung, ich würde in einer solchen Ehe leben und könnte mich von dem Mann nicht trennen, weil ich zwei Kinder zu versorgen habe und auf sein Geld angewiesen bin. Ich habe den Eindruck, viele Paare sind sich Mittel zum Zweck. Bei diesen beiden jedenfalls stand von Anfang an im Vordergrund, daß sie eine Familie gründen wollten. Dazu haben sich diese zwei Partner, man muß schon fast sagen Sozialpartner, gefunden.

Wie ich lebe, ist die Ausnahme. Ich fände es auch schrecklich, wenn alle so leben würden. Aber das hat nichts mit einem Mangel an Erwachsensein zu tun. Man kann auch ohne Kinder erwachsen werden. Man leitet eine Firma, man geht mit Mitarbeitern um, man muß selbständig arbeiten, und man muß sich gerade als alleinlebender Mensch sehr um seine Freunde kümmern.

Was ich wirklich bedaure, ist, daß ich den Kontakt zur nachwachsenden Generation verliere. Ich nehme begierig auf, was ich von denen aufschnappen kann, was die so sagen, wie es denen so geht. Ich finde, das gehört zum Leben, daß man eine Generation miterleben darf, auch wenn man ihr nicht angehört, sei es nun die ältere oder die jüngere.

Ich hätte ein Kind immer nur aus einem Überschuß in die Welt setzen können, aus dem Gefühl heraus, daß ich ihm etwas geben kann, daß ich so ein Wesen beschützt aufwachsen lassen kann. Natürlich heißt das auch, daß ich den Mann liebe, von dem ich dieses Kind will. Diesen Mann hat es auch mal gegeben, und da habe ich zum ersten Mal gemerkt, aha, es gibt diesen Wunsch nach einem Kind also, es gibt ihn wirklich. Aber ich denke, wenn es im nächsten Jahr nicht wieder passiert, dann ist es vorbei. Nächstes Jahr bin ich vierzig, das ist die magische Grenze.