die ZEIT: Demnächst wird der Bundesgerichtshof darüber entscheiden, ob Handys weiterhin zu Ramschpreisen angeboten werden dürfen. Wäre ein Verbot dieser Lockangebote ein Schlag gegen die Interessen der Verbraucher?

Helga Kuhn: Nein. Dieser Meinung sind wir nicht. Man muß nämlich auch sehen, daß ein solches Verbot durchaus Vorteile brächte. Denn die Handys werden nur scheinbar verschenkt beziehungsweise extrem billig angeboten. Der tatsächliche Preis wird schließlich später in der Regel über die Grundgebühr wieder hereingeholt. Ein Verbot dieser Lockangebote würde unserer Meinung nach für mehr Preistransparenz sorgen.

Kuhn: Das wäre wünschenswert. Denn die Ta-rife der vielen Anbieter sind nur schwer zu überblicken. Es ist aber kaum damit zu rechnen, daß sich daran in absehbarer Zeit sehr viel ändern wird. Ein reeller Gerätepreis wäre schon ein Schritt in die richtige Richtung. Denn der schärft die Aufmerksamkeit sowohl beim Kauf des Handys als auch bei der Auswahl des Mobilfunkanbieters. Der Zweck der Lockangebote ist ja gerade, daß man nicht so genau hinschaut und die Schwelle für den Einstieg möglichst niedrig gehalten wird.

ZEIT: Möglich sind die Niedrigpreise nur, weil die Mobilfunkanbieter den Händlern eine stattliche Prämie für jeden Kunden zahlen. Damit werden dann die Gerätepreise subventioniert. Dafür ist das Tarifniveau noch recht stattlich. Wird sich daran etwas ändern?

Kuhn: Die Gebühren sind ja bereits gesunken. Wir rechnen auch mit weiteren Preissenkungen. Die Entscheidung des Bundesgerichtshofs sollte man allerdings in diesem Zusammenhang nicht überbewerten. Ein Effekt könnte sich allerdings ergeben. Bei allen Anbietern, die bislang die niedrigen Handypreise über die Grundgebühren refinanziert haben, müßten diese eigentlich sinken. Im Moment spricht also alles dagegen, sich als Kunde langfristig an einen Anbieter zu binden.

ZEIT: Worauf sollten potentielle Kunden angesichts des Tarifdschungels denn grundsätzlich achten, wenn sie einen Vertrag abschließen?

Kuhn: Ein sinnvoller Vergleich der Angebote ist erst dann möglich, wenn klar ist, was man eigentlich möchte. Also: Telephoniere ich meistens nur abends, führe ich viele Ferngespräche, oder will ich vor allem nur erreichbar sein?