Wer vom Internet schwärmt, lügt. Zumindest lügen all jene, die nur davon erzählen, welch kostbare Informationen, unvermutete Begegnungen und raffinierte Debatten sie ihm verdanken. Denn sie verschweigen, daß sie durch den Aufbruch ins Netz vor allem eins lieben gelernt haben: herumzufummeln - an ihrem Computer, an ihrer Software, an ihrem Leben, an ihrem Glück, an ihren Nerven und an den Nerven anderer.

In ein Auto setzt man sich, in der Regel, einfach hinein, fährt los - und schon ziehen draußen eine Landschaft und drei stoische Kühe vorbei; im Gegensatz zu dieser Orgie eleganten Funktionierens beschäftigt uns der Computer ununterbrochen mit seinen fehlenden "Einstellungen" (den "Preferences", also den technischen Parametern für die Verbindung mit dem Internet). Deshalb lesen wir statt der Artikel auf der ZEIT- Homepage erst mal die Einführung in das Wesen des Transmission Control Protocol/Internet Protocol, in dessen Tiefen sich bis zur Besinnungslosigkeit herumkonfigurieren läßt mit dem Resultat, daß anschließend Akt zwei folgen kann, der da heißt: endlich im Internet - und schon wieder was zu fummeln!

Bevor man also die erste Internet-Datenbank angezapft, die erste Online-Buchhandlung besucht hat, ist man bereits vollgestopft mit kryptischem Wissen, das man nie wollte, das in sechs Monaten überholt ist und deshalb gemehrt sein will - und hat unversehens eine neue Freizeitbeschäftigung.

Weil viele Menschen schon ein paar andere Hobbys haben, rufen sie ihre kundige Freundin oder den EDV-Typen im fünften Stock an und lassen sich eine minutiöse Wegbeschreibung ins Internet diktieren. "Erst klickst du auf dieses Bildchen, das aussieht wie das Steuerrad eines Schiffes, gut?" - "Gut!" - "Wenn du auf die Startseite willst, klickst du auf das Häuschen, gut?" - "Gut." - "Laß die Finger von den Einstellungen. Ich habe sie dir konfiguriert. Und was ein Proxy ist, begreifst du nie. Gut?" - "Hmmm!"

Dieses notizzettelgesteuerte Leben hat nur einen Nachteil: Wenn einmal kein Steuerrad da ist, auf das man klicken könnte, sondern eine Eistüte mit einer Weltkugel dahinter oder so ähnlich, bricht das blanke Chaos aus - und es stellt sich wieder die Frage aller Fragen: "Vielleicht doch fummeln?" - "Jaaa!"