Gestern habe ich wieder mal Sex gemacht; ich muß sagen, es war nicht schlecht, es entspannt einen irgendwie. Aber die ganze Zeit mußte ich daran denken, daß ich es eigentlich nicht freiwillig tat, sondern auf Befehl von Drüsen und irgendwelchen Hirnlappen. "Liebling", sagte ich, "laß uns eine Pause machen, ich muß mal kurz im Lexikon nachschauen."

Unter "Geschlechtstrieb" las ich, daß Schnecken, Flöhe und Zierfische von erregenden Hormonen kontrolliert werden, wobei diese bei den Flöhen unglaublich klein sind. Menschen und Bonobo-Affen hingegen werden vom Großhirn gesteuert, und zwar "auch außerhalb der Brunst". Das ist der Skandal! Ausgerechnet der Mensch, ein bedeutendes und vielbeschäftigtes Wesen, wird permanent von seinem Trieb belästigt, während der unnütze Zierfisch im Frühling ein bißchen mit den Flossen rudert und dann wieder ein Jahr lang Ruhe hat! Die hätten wir nötiger, aber wir kennen sie nicht.

Es kommt noch schlimmer. Ich habe das einmal ausgerechnet: Wenn von 5,7 Milliarden Menschen die geschlechtsreife Hälfte pro Woche drei Stunden lang genital ist, ergibt das einen weltweiten wöchentlichen Arbeitszeitausfall von mehr als einer Million Jahre! Kostbare Zeit, die wir dazu verwenden könnten, endlich die Sahara wegzuschaufeln oder Wohnungsvermieter zum Christentum zu bekehren, einfach etwas Nützliches zu tun, zum Beispiel Campari/Soda trinken. Das ist nämlich auch ein Problem: Weil der Mensch dauernd brünstig ist, kann ein Mann mit einer Frau nie richtig entspannt Campari/Soda trinken in einem netten Straßencafé. Lutscht die Frau an der Zitronenscheibe, denkt der Mann: "Wenn sie mich dabei anschaut, will sie"; spreizt der Mann beim Trinken den kleinen Finger ab, denkt die Frau: "Verdammt, er ist schwul!" Das blöde Großhirn ist immer dabei.

Und jetzt auch noch Viagra, das ist der völlig falsche Weg. Wir brauchen ein Medikament auf Zierfischbasis, das unseren Trieb auf eine jährliche Brunstzeit von Mitte Februar bis Ende März reduziert. So könnten wir den Sommer endlich genießen, ohne aus Eifersucht Geschlechtspartner erstechen zu müssen oder die lauen Nächte mit der Planung von Seitensprüngen zu vertrödeln. Auch das zeitraubende Onanieren fiele weg, so daß wir endlich wieder einmal eine Partie Schach spielen könnten. Schaden würde die Brunstpille nur Richard Gere und Pamela Anderson, für die sich ab Ende März natürlich niemand mehr interessieren würde, aber was kümmert uns Hollywood! Ich kenne sowieso Tausende von Männern, die sich danach sehnen, Pamela Anderson anschauen zu können, ohne von unerfüllbaren Wünschen gefoltert zu werden. Also her mit dieser Zierfischpille, aber subito, denn heute abend kommt mein Freund zum Essen, und zwar mit seiner Frau!