Das Beste an der Love Parade ist ihre Interpretierbarkeit. Jeder kann alles hineinsehen. Das gilt auch für die Raver selbst und gibt ihnen jenen Extrakick, der hinzukommen muß, wenn jemand lange Anreise, mangelhafte Unterbringung und schlechtes Wetter in Kauf nimmt, nur um dabeizusein. Die Medien tun sich schwer mit dem Ereignis. Besonders die Prints schlagen ihre Kapriolen: Sinn muß für sie Subjekt, Prädikat, Objekt haben, nur so läßt er sich in jener griffigen Kompaktheit hinhauen, die Journalisten gewohnt sind. Sie unterschieben dem Spektakel entweder jede Menge politische Sprengkraft, gerade weil es sich so unpolitisch gibt, oder sie lehnen es als kommerziellen Klamauk, der einzig Müllprobleme aufwirft, ab. Da ist das Fernsehen im Vorteil. Es sucht Sinn - falls es überhaupt sucht - in Bildern und Rhythmen und fand davon auf den Paradestraßen wahre Reichtümer.

Der Live-Bericht vom Techno-Fest war mit großem Aufwand in Szene gesetzt worden: Die Kameras näherten sich der zuckenden Menschenmillion von Bühnen, Kränen und Hubschraubern aus, kundige Moderatoren wechselten sich mit flockigen Kommentaren ab, und über allem lag - auf dem Schirm nicht ganz so phonstark wie an der Siegessäule - der 120-beats-per-minute- Sound. Die Stars waren die Raver - mit Trillerpfeifen, Wasserpistolen und einer millionenfachen Varianz in Sachen Kostüm und Tanzstil. Ihre Message lautete: "Gegen nichts, für alles", und sie drang durch.