Wenn die letzte Supermacht auf dem Globus dem Nato-Partner Deutschland mit dem Abzug der amerikanischen Truppen aus Europa droht, muß schon einiges auf dem Spiel stehen. Eine teutoirakische Verschwörung gegen den Weltfrieden?

Gerüchte von unterirdischen Atomversuchen in der Lüneburger Heide?

Weit gefehlt. Derzeit versuchen 163 Staaten auf einer internationalen Konferenz in Rom ein Weltstrafgericht zu errichten. Es soll Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit ahnden. Mehr als siebzig Staaten streiten für eine starke und glaubwürdige Institution, darunter Deutschland. Dem Pentagon gilt das als "dramatisch unvereinbar mit amerikanischen Interessen", wie es in einem Fax an Verteidigungsminister Rühe heißt.

Die Vereinigten Staaten wollen kein wirklich unabhängiges Gericht, weil sie Anklagen gegen eigene Soldaten oder Agenten fürchten. Deshalb ist den Amerikanern keine Methode zu schade, seien es Aushöhlungstaktiken bei den Verhandlungen in Rom oder Drohgebärden in den Hauptstädten. So stehen sie in einem Lager mit Diktaturen wie Irak, Syrien oder Birma, die das Strafgericht unbedingt verhindern wollen.

Vor fünfzig Jahren hoben die Vereinigten Staaten die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte aus der Taufe. Damals waren sie auch moralisch eine Supermacht.