Vielleicht haben wir ihm ja furchtbar Unrecht getan, dem lieben Herrn Immobilienkönig. Vielleicht ist Herr Schneider wirklich nahezu unschuldig.

Möglicherweise war er nur das Opfer höchst dunkler Machenschaften des westdeutschen Finanzkapitals. So wie jener Bauer aus dem Westerwald, der heute unterm Rübenfeld liegt, weil sein Hof meistbietend versteigert wurde.

Oder wie jener verzweifelte Rheinschiffer aus Bingen, der seine Fromme Helene verlassen mußte - nicht, weil er dem Gesang der Lorelei erlegen war, sondern weil ihm die Bank einfach das Wasser abgegraben hat. Oder wie die vielen Millionäre, die heute als Tellerwäscher arbeiten müssen, weil ihnen das Geldinstitut den Kredit gekündigt hat.

Zwar gibt es auch andere Ursachen für Firmenpleiten. Die Sprachgeschichte verweist jedoch eindeutig auf die besondere Rolle der Banken: Bankrott kommt nämlich von Bank.

Banca oder Banco - das war im 16. Jahrhundert der Tisch der Geldwechsler und Bankiers. Schon damals kam es vor, daß Geldverleiher Handwerkern oder Händlern ein Darlehen kündigten - oder auch kündigen mußten, weil ihnen selbst das Geld ausging.

Wenn der Schuldner daraufhin gezwungen war, seine Geschäfte aufzugeben, dann nannte man das "banco rotto". Was wörtlich soviel heißt wie "zerbrochener Tisch" (des Bankiers). Offen ist bis heute, ob wütende Kunden damals tatsächlich die Geldtische zertrümmert haben oder ob das letztlich nur ihr größter Wunsch gewesen war.

Wenn heute von Bankrott die Rede ist, dann sind meistens besonders schlimme Arten der Pleite gemeint. In der Regel Konkurse mit strafrechtlichen Folgen.