26. Juni 1998, ein Bauer liest morgens, bevor er sich in den Stall begibt, die ZEIT, Seite 33, Wissen. Der Titel: Flammender Naturschutz, der Inhalt: Naturschützer stellen fest, gestützt auf aktuelle wissenschaftliche Studien, daß einige alte Methoden der traditionellen Landwirtschaft doch nicht ganz so unsinnig waren, wie gedacht. Natürlich steht das so nicht auf dem Papier, hier geht es - wir leben im Zeitalter der Wortneuschöpfungen - um Feuermanagement, Feuerforschung, Feuerökologie und, wie könnte das fehlen, um interdisziplinäre Forschung.

Der Bauer freut sich, er wird also in naher Zukunft - sobald die letzte Langzeitstudie abgeschlossen und ein weiteres Habilitationsstipendium ausgelaufen ist - das alte Wissen seines Vaters wieder anwenden dürfen - unter strenger Aufsicht eines Feuermanagers, so wie er morgen unter behördlich angeordneter Aufsicht eines Landschaftsschützers eine umgefallene Pappel zersägen wird.

Der Bauer steht auf, stöhnt ein wenig, heute ist Hacken angesagt und der Rücken schmerzt - leider wird er die Hacke ohne wissenschaftlich abgesicherte Erkenntnisse über die Folgen für Insekten und Spinnen schwingen, und der Titel Hackmanager klingt auch etwas seltsam. Aus dem Fenster beobachtet er, wie der Nachbar sein Spritzmittel anrührt - das Mischungsverhältnis ist wissenschaftlich genauestens erforscht, einschließlich der Auswirkungen auf Spinnen und Insekten - oder?

C. Matthes, Kraichtal