Für Lufthansa-Chef Jürgen Weber kam das Verdikt aus Brüssel nicht unerwartet. Zwar genehmigte EU-Kommissar Karel Van Miert, zuständig für den Wettbewerb, die rund um Lufthansa, SAS und United Airlines formierte Star Alliance ebenso wie den angestrebten Konkurrenzverbund von British Airways (BA) und American Airlines (AA). Allerdings nicht, ohne die Zusammenschlüsse der Fluggesellschaften mit rigiden Auflagen zu versehen.

Van Miert fürchtet, die Bündnisse könnten wegen ihrer Vormachtstellung auf den Heimatflughäfen Frankfurt und London/Heathrow den Wettbewerb gefährden und die Preise treiben. Er verdonnerte die Verbünde dazu, ihre Flüge auf bestimmten Strecken zu reduzieren und einen Teil ihrer Start- und Landerechte (Slots) potentiellen Konkurrenten zur Verfügung zu stellen.

Lufthansa, SAS und United sollen ihr Flugangebot um 108 Slots (93 in Frankfurt und 15 in Kopenhagen) verringern. Von BA und AA fordert die Kommission die Abgabe von 267 Slots. Zudem sollen Lufthansa und United für ein halbes Jahr den Verkehr zwischen Frankfurt und Washington sowie Chicago halbieren, weil auf diesen Strecken der Wettbewerb am stärksten eingeschränkt sei. Gleiches gilt für BA und AA auf den Strecken von London nach Dallas, Miami und Chicago. Dreißig Tage bleibt den Gesellschaften für eine Stellungnahme gegenüber Brüssel.

Während bei British Airways die Freude über den nach zwei Jahren endlich genehmigten Zusammenschluß überwiegt, regt sich bei Lufthansa harscher Protest: Die Kommission verkenne, so das Frankfurter Unternehmen, daß sich der Weltluftverkehr längst nicht mehr auf einzelnen Flugstrecken abspiele.

Tatsächlich haben sich die Verhältnisse dramatisch gewandelt: Nach der Öffnung des Himmels über dem Atlantik ist ein erbitterter Preiskampf ausgebrochen. Nicht mehr einzelne Fluggesellschaften teilen mit Hilfe ihrer Regierungen das Geschäft untereinander auf. Weil selbst Luftfahrtgiganten wie American Airlines, British Airways oder Lufthansa nicht den gesamten Erdball bedienen können, haben sie mit Hilfe von Allianzen interkontinentale Netzwerke gespannt. Denn die wichtigsten Kunden für die gewinnbringenden Business-class-Passagen, die multinationalen Konzerne, fordern für ihr weltweites Geschäft ein Flugangebot aus einer Hand.

Die Allianzen sind das Gegenstück der Luftfahrtbranche zu den weltweiten Fusionen in Industrie oder Bankgewerbe. Denn trotz des zum Teil ruinösen Wettbewerbs halten die Politiker noch immer die Hand über ihren Fluggesellschaften. In den USA dürfen nur maximal 25 Prozent einer Airline von Ausländern übernommen werden, in der EU liegt die Grenze bei 49,9 Prozent.

Deshalb haben sich die Fluggesellschaften weltweit in mehr als 500 Verbünden zusammengeschlossen - vom Marketingabkommen zum Verkauf bestimmter Strecken bis zu strategischen Allianzen mit Finanzbeteiligung. Der Wettkampf wird zwischen den Bündnissen ausgetragen. "Drei bis vier große Allianzen", davon ist Lufthansa-Chef Weber schon lange überzeugt, "werden künftig das Geschehen in der Weltluftfahrt dominieren."