Hannes ist Experte für schnelle Verbindungen. Er weiß, wo man in welchen Zug umsteigen muß, um in Windeseile von London nach Neapel zu kommen. Am liebsten würde er ganz Europa mit einem Hochgeschwindigkeitsnetz überziehen.

Aber Hannes hat es nur bis zum Bierfahrer in Dortmund gebracht. Und im gewöhnlichen Leben ist er ein langsamer Mensch. Denn Hannes wird von Joachim Król gespielt, in "Zugvögel", einem zärtlich-lakonischen Debütfilm von Peter Lichtefeld.

Joachim Król, das ist im Kino immer der, der wenig spricht. Der mit jedem Blick und jeder Geste die Langsamkeit noch einmal entdeckt. Selbst wenn er in Fahrt kommt, sieht es aus, als habe er vergessen, die Handbremse zu lösen.

Was er auch tut, er gerät auf Umwege und kommt eben deshalb zum Ziel. Hannes zum Beispiel möchte nach Inari. Das liegt in Nordfinnland und ist Schauplatz eines Wettbewerbs für Kursbuchexperten. Auf der Reise dorthin wird Hannes lernen, daß der schnellste Weg nicht immer der beste ist. Den Wettbewerb wird er deshalb verlieren - und gewinnt eine Liebe dafür. Eine stille, seltsame Liebe, die er selbst kaum begreift.

Joachim Król stammt aus Herne/Westfalen. Heute lebt er mit Frau und Sohn in Köln, also nicht besonders weit weg von zu Hause. Den Akzent auf dem Nachnamen verdankt er seinen polnischen Vorfahren: Król, zu deutsch König.

"Wir Westfalen sind nicht geschwätzig", sagt der Bergmannssohn, Jahrgang 1957. "Bei so einem Interview rede ich tausendmal mehr als gewöhnlich. Ich kann ganze Tage verbringen, ohne ein Wort zu sagen."

Was läßt sich auch viel erzählen: als Junge mit Papa auf dem Fußballplatz (und bis heute Mitglied im Heimatverein Westfalia Herne), dann die üblichen Lehr- und Wanderjahre der Anti-AKW-Generation (abgebrochenes Studium, Kneipenkollektiv et cetera), schließlich Schauspielschule in München, Bühnenengagements in Bochum, Moers, Hannover und Basel, erste TV-Rollen und kleine Nummern bei Sönke Wortmann und Doris Dörrie. Dann kam Detlev Buck, engagierte ihn für die Rolle des Analphabeten Kipp in "Wir können auch anders", und Król gewann einen Bundesfilmpreis dafür. Seit er jenen Satz in die Kamera sprach, gehört zu der verwegenen Drohung eine kleine Pause vor "anders". Denn Kipp stottert ein wenig, weil sein schlichter Verstand für seinen Mut beinahe nicht ausreicht. Aber nur beinahe.