In vielen Berichten über die Rede von Jürgen Trittin auf der Kundgebung gegen das öffentliche Soldatengelöbnis tritt der Inhalt seiner Äußerungen in den Hintergrund oder wird ungenau bis falsch wiedergegeben. In dem Artikel von Buchsteiner liest man, der Bundesvorstandssprecher der Grünen habe die Bundeswehr in die Tradition der Wehrmacht gestellt. Gerade das hat er aber nicht getan, vielmehr hat er kritisiert, daß der Verteidigungsminister die Bundeswehr in die Tradition der Wehrmacht stelle. Angesichts der Tatsache, daß die Nazis es waren, die Gelöbnisse als Großveranstaltungen außerhalb der Kasernen "erfunden" haben, so meine ich, kein ganz abwegiger Vorwurf.

Die betreffende Passage der Rede, die ich mir über das Internet besorgt habe, lautet: "Es hat eine Zeit in Deutschland gegeben, wo öffentlich gelobt und vereidigt wurde, und das waren nicht die Zeiten der Demokratie, sondern das blanken faschistischen Terrors. Ich sage ganz deutlich, es hat Kritik an den Veranstaltungen dieses Bündnisses gegeben wegen eines Plakats. Wer am Jahrestag von Lidice hier ein Gelöbnis veranstaltet und sich dabei auf Traditionen beruft, der stellt die Bundeswehr selbst in die Tradition der Wehrmacht, und deswegen mit allem Nachdruck: Nein zu dieser Tradition." Die Darstellung von Jochen Buchsteiner unterstellt, daß der Kritiker das, was er kritisiert, selbst getan hat.

Dr. Stefan Riese, Münster

Der eigentliche Skandal ist, daß am Jahrestag des SS-Massakers von Lidice junge Wehrpflichtige dazu herhalten müssen, im Wahlkampf für die CDU eine rechte Klientel zu bedienen, die sonst zu der DVU abwandern würde. Die Mißachtung der Bundeswehr findet wohl eher in diesem Wahlkampfmanöver seinen Ausdruck als in Trittins Kritik an diesem Vorgehen.

Hans-Ulrich Wessel Gehrden

"Wozu es die Partei noch braucht", weiß ich nicht, aber ich weiß, wozu wir die Partei noch brauchen. Verdachtsunabhängige Kontrollen durch eine Bundespolizei, Zusammenlegung von Justiz- und Innenministerium, Lauschangriff, Gendatei und weil es der de facto großen Koalition noch nicht ausreicht, die Verfassung zu verbiegen, wird womöglich auch noch das Völkerrecht strapaziert: Angriffe ohne UN-Beschluß.

Robert Knapp, Köln