Roman Herzog ist ein ganzer Präsident. Diese Ganzheit beruht auf der Übereinstimmung von Person und Sache. Roman Herzog sagt zwar, wie es seines Amtes ist, sehr viel, aber doch nur das, was er aus Überzeugung selbst bejahen und vertreten kann. Er gibt sich nicht freundlich, offen, zugewandt und gesprächsbereit, sondern er ist es. Darin liegt seine beispiellose Überzeugungskraft, die ihm zu Recht über alle Parteigrenzen, Weltanschauungen und Vorurteile hinweg viel Anerkennung und Vertrauen eingetragen hat. Ein Vertrauen, das besonders junge Leute zur Rede und Gegenrede ermuntert.

Roman Herzog ist ein politischer Präsident! Politik wird hier im Sinne der "Polis" verstanden. Das ist in der Antike die Stadt und heute das Gemeinwesen, in dem die öffentlichen Angelegenheiten also solche, die alle angehen, verhandelt werden. Roman Herzog hat so viele öffentliche Themen und Probleme ins "Gespräch" gebracht wie selten ein Präsident zuvor. Hofmanns "halbierter" Blick verkürzt diese Breite, Weite und Wirkung auf ein rhetorisches Mittel, den vielzitierten "Ruck", was ihm die "ganze" Sicht verstellt. Herzog überzeugt nicht durch Inszenierung und Reformrhetorik (Hofmann), sondern durch Problematisierung und politische Leidenschaft.

Dr. Klaus Jürgen Laube Evangelische Akademie Oldenburg, Rastede*