Die Erinnerung an die Untat und die Folgen, die wir daraus zu ziehen haben, sind in Leipzig und seiner Universität keineswegs ein Tabu: 1993 hat die Universität aus Anlaß des 25. Jahrestages der Sprengung der Universitätskirche eine erste große Ausstellung zu diesem Thema in den Mittelpunkt der Gedenkveranstaltungen gestellt. Aus diesem Anlaß wurde von der Universität und nicht, wie der Autor schreibt, vom "Pauliner-Verein" die Erinnerungstafel mit dem selbstkritischen Text angebracht, der von einer Senatskommission formuliert und von Senat und Rektorat verabschiedet worden war. Aus Anlaß des Evangelischen Kirchentags im vergangenen Jahr hat die Universität die Ausstellung über die Kirchensprengung erneut gezeigt. Die Universität hat das Erscheinen der in der DDR nicht veröffentlichten, in den sechziger Jahren verfaßten Doktorarbeit von Elisabeth Hütter, die den kunsthistorischen Rang der Universitätskirche wissenschaftlich nachweist und die vom damaligen Landeskonservator veranlaßt worden war, um die Sprengung zu verhindern, durch einen namhaften Druckkostenzuschuß ermöglicht und zur Verbreitung dieses wichtigen Buches beigetragen.

So verständlich die Ungeduld der Öffentlichkeit ist, zu erfahren, wie sich die Universität das künftige Bild ihres Zentrums am Augustusplatz vorstellt, so viel Verständnis sollte Ihre der Rationalität verpflichtete Wochenzeitung dafür aufbringen, daß die Meinungsbildung in einer von so vielen Komponenten mitbestimmten Frage nun einmal ihre Zeit braucht. Ohne einen gründlichen Diskurs über die Zusammenfügung des Wünschbaren, Notwendigen und Machbaren kann es aber keine überzeugende Lösung geben.

Peter Gutjahr-Löser Kanzler der Universität Leipzig*