Während Gerhard Schröder erst jetzt das Briefeschreiben für sich entdeckt, unterhalten andere Politiker schon längst Brieffreundschaften, unter ihnen Johannes Rau. Seine Brieffreundin heißt Johanna, trägt schwarze Haare und lebt in der niederrheinischen Gemeinde Wachtendonk auf einem Gnadenhof für Pferde. Vor vier Jahren übernahm Rau die Patenschaft für die ausgemusterte Stute. Sie dankt es dem Politiker mit regelmäßigen Briefen. Bruder Johannes antwortet stets, zuletzt anläßlich seines Rücktritts als Ministerpräsident.

"Ich bin gern im Geschirr gegangen", schreibt der Pate, "doch jetzt freue ich mich auf die Aussicht, daß mir nicht mehr alles aufgeladen wird." So ganz will Rau an seinen Abschied aus der Politik freilich selbst noch nicht glauben. Johanna schrieb er dazu vertraulich: "Dann heißt es, wachsam zu sein. Schnell wächst die Last wieder, und alles ist wie zuvor - nur anders."