Ein Blick auf das Trio von Schubert - und das erbärmliche Menschentreiben flieht zurück, und die Welt glänzt wieder frisch", notiert Robert Schumann 1836. Zwei Kompositionen, das Klaviertrio in B und das in Es, hält er ehrfürchtig nebeneinander: "Das Adagio, das dort ein Seufzer, der sich bis zur Herzensangst steigern möchte, ist hier ein seliges Träumen, ein Auf- und Niederwallen schön menschlicher Empfindung." Worte, so berühmt wie die Werke, die sie meinen. "Das Trio in Es-Dur", so Schumanns Conclusio, "ist mehr handelnd, männlich, dramatisch, unseres dagegen leidend, weiblich, lyrisch."

Die moderne Aufführungspraxis indes zeigte sich von solcher "mann-weiblichen Kontrastspannung" (Friedrich Dieckmann) unbeeindruckt. Zehrten Artur Rubinstein, Jasha Heifetz und Emanuel Feuermann 1941 noch von einem auratischromantischen Schubert-Bild, so machten sich nach dem Zweiten Weltkrieg öligere, gemächlichere Töne breit (beim Beaux Arts Trio, beim Trio Fontenay und anderen). Erst mit Beginn der achtziger Jahre, als der Schubert der symphonischen Fragmente ins Blickfeld rückte und das "Schwammerl" als Vorfahre Mahlers entdeckt wurde, gewann auch die Kammermusik schärfere Konturen. 1997 brachte das junge Label Winter&Winter eine Einspielung des Es-Dur-Trios auf den Markt (910 006-2), die mit den Hörgewohnheiten brach. So bibliophil die Aufmachung, so sensationell beflügelnd geriet die Interpretation. Eine klare, mitunter grell gestische Rhetorik, konsequente Tempi, eine Dynamik, die provozieren, ja schmerzen wollte - stilistische Tribute nicht nur an das zeitgenössische Instrumentarium des Ensembles La Gaia Scienza (mit einem Original-Schanz-Fortepiano von 1815!), sondern auch an die Villa Medici-Giulini im italienischen Briosco, den sorgsam bedachten Aufnahmeort, und an eine vorzügliche Klangregie. Man sperrte die Ohren weit auf und war gespannt, ob ein derart hoch sensibles Konzept auch weitere Stücke tragen würde. Genau das aber tut es in der neuen Aufnahme des B-Dur-Trios (W&W 910 017-2)nicht. Wieder hat man Briosco gewählt, wieder Schubert, wieder walteten die Musiker Federica Valli, Stefano Barneschi und Paolo Beschi an erlesenen historischen Instrumenten - doch die Einspielung klingt wie ihre eigene Imitation. Als zucke sie vor jener Ausdrucksintensität, jener musikantisch-spirituellen Grenzerfahrung ängstlich wieder zurück, die das frühere Trio längst gewagt und gewonnen hatte. Und so nehmen wir Schumann denn getrost wörtlich: "Die Zeit, so zahllos und Schönes sie gebiert, einen Schubert bringt sie so bald nicht wieder."