Nicht zufällig klingen die jüngsten Nachrichten über die Bahn wie aus den alten, schlechten Zeiten vor der großen Reform: Um Kosten zu sparen, will Bahn-Chef Johannes Ludewig einige Züge weniger fahren lassen - diesmal hat er die beim Schienenunternehmen noch nie so recht geliebten InterRegios auf dem Kieker. Deren Auslastung krebst alles in allem bei verlustreichen 25 Prozent herum, unter anderem deshalb, weil viele parallel zu Zügen des Nahverkehrs fahren. Proteste gegen die Kürzungen im Fahrplan kommen von Umweltschützern, Gewerkschaftern, der SPD und den Grünen, und zwar wie früher ganz unabhängig davon, ob die Streichungen sinnvoll sind oder nicht.

Das Triste an der Lage: Es gibt wieder nur Negativ-News. Die verheißungsvolle Aufbruchstimmung in und im Umkreis der 1994 schuldenfrei gestarteten Reform-Bahn ist fast völlig verflogen. Für eine kurze Zeit war damals so etwas wie Optimismus und Zuversicht spürbar, daß es tatsächlich mittelfristig gelingen könnte, das Hauptziel der Reform zu realisieren und mehr Verkehr auf die Bahn zu bringen.

Doch spätestens als Ludewig vor einem Jahr das schwierige Amt des Bahn-Chefs übernahm, ist die Offensive wieder in eine Defensive umgeschlagen.

Schwindende Passagierzahlen, sowohl auf den Fernstrecken als auch im Nahverkehr, haben dabei mitgeholfen. Auch die leichten Zuwächse im Cargogeschäft werden allen Schätzungen zufolge nur von kurzer Dauer sein. Die Schicksalsfrage ist deshalb unbeantwortet: Woher soll das Wachstum der Bahn kommen, das allein zur Bewältigung der rasch steigenden Finanzlasten nötig ist?

Denn die Investitionsprogramme zur Modernisierung mit Jahressummen von um die fünfzehn Milliarden Mark - noch unter dem Vorgänger Heinz Dürr beschlossen - treiben die Kostenfaktoren Abschreibungen und Zinsen viel rascher hoch als die Erlöse. Ein paar Züge zu streichen hilft dagegen nichts: Die Bahn rollt ungebremst in die roten Zahlen. Die größten Chancen winken im Güterverkehr.

Doch die Trennung des Schienennetzes, die dem Geschäftsbereich Cargo attraktivere Angebote an die Wirtschaft erlauben würde, kommt nicht so recht voran. Der frühere Beamte Ludewig ist auch bei der Bahn kein zupackender Unternehmer geworden - eher bremst er Ansätze von Tatkraft und Initiative, als daß er sie anfeuert. Die Behördenbahn von ehedem rollt wieder im alten Gleis.