Kohls Regierungskoalition kann noch über ihren Schatten springen. Skeptiker am Finanzplatz Frankfurt hatten schon befürchtet, die um ihre Macht bangende Bundesregierung würde den freien Posten im Direktorium der Deutschen Bundesbank nach altbekannter Manier mit einem Vasallen besetzen. Ein solcher Fall politischer Entsorgung blieb der Währungsbehörde diesmal erspart.

Nachdem Bonn zuletzt Finanz-Staatssekretär Jürgen Stark in das Spitzengremium der unabhängigen Bundesbank gehievt hatte, durften Präsident Hans Tietmeyer und die anderen Direktoriumsmitglieder sich ihren neuen Kollegen offenbar selbst aussuchen - und trafen eine allseits begrüßte Entscheidung: Neuer Chefökonom und damit Nachfolger von Otmar Issing, der zur Europäischen Zentralbank (EZB) gewechselt ist, wird Hermann Remsperger, Leiter der Volkswirtschaftlichen Abteilung der Frankfurter BHF-Bank.

Der 48jährige Honorarprofessor genießt wegen seiner klugen Analysen von Geldpolitik und Kapitalmärkten allseits einen ausgezeichneten Ruf. Der Wechsel vom Bundesbank-Beobachter zum monetären Mitgestalter dürfte ihm jedenfalls nicht allzu schwer fallen. Remsperger liegt weitgehend auf der offiziellen geldpolitischen Linie.