Kommt einer in die Werkstatt und klagt über ein häßliches Sirren aus Richtung Motorraum. Befürchtet schwersten Maschinenschaden. Nach einem überaus aufwendigen Diagnoseverfahren stellt sich heraus, daß das Sirren von leeren Joghurtbechern im Handschuhfach herrührte.

Ein Kfz-Meister wie Rudolf Heinze kennt viele solcher Geschichten - Geschichten von Störgeräuschen, die den Mechaniker wahnsinnig und den Kunden arm machen. Der Schrekken jeder Autowerkstatt formuliert seinen Reparaturauftrag meist unspezifisch, etwa so: "Ich habe da ein komisches Geräusch. Es macht tacktacktack, aber nur manchmal. Kommt irgendwo von vorn."

Störgeräusche sind ein heikles Thema in der Werkstatt. Denn man kommt ihnen nicht auf die beliebte High-Tech-Methode bei: Diagnosestecker rein, Codenummer auf dem Bildschirm ablesen, in der Liste nachschauen, aha: Relais XY austauschen. Wenn es im Auto rappelt oder zischelt, quietscht oder kreischt, dann ist nach wie vor das älteste Diagnoseinstrument des Automechanikers gefragt: sein Ohr. In verzweifelten Fällen unterstützt durch das schon in der Steinzeit bekannte Hörrohr.

Doch auch das beste Ohr kann nicht ohne weiteres zwischen Störgeräuschen und normalen Betriebsgeräuschen unterscheiden. Dazu braucht es viel Erfahrung mit kaputten Autos. Das gilt erst recht, wenn es um die Interpretation der Geräusche geht: Kommt das Knacken vom falsch verlegten Kupplungsseil, oder meldet sich so das Federbein?

Der französische Automobilhersteller Citroën verkürzt jetzt den langen Weg vom Jungmechaniker zum Geräuschexperten. Er hat alle seine Pkw-Modelle abgehorcht und etwa vierzig durch technische Fehler ausgelöste Geräusche gesammelt, sie definiert und ihnen einen Namen gegeben. Diese Geräusche samt den dazugehörigen Normalgeräuschen wurden in eine Geräusch-Datenbank aufgenommen. Das Programm läuft heute in allen Schulungszentren und macht innerhalb von acht Tagen aus einem Servicetechniker einen "Citroën-Geräuschprofi". Ohrentrainer für den norddeutschen Raum ist Rudolf Heinze von der Kundendienstschule Hamburg.

Ein undefiniertes Zischen ist oft schon ein Grund zur Reklamation Selbstversuch vor einem PC mit zwei Lautsprechern. Kleine Lockerungsübung mit häßlichen Störgeräuschen zum Anklicken: Schlagen und Brummen, Krachen und Klirren, Pfeifen, Quietschen, Knirschen, Kratzen und Rattern - woher kommt der Lärm, was ist da kaputt? Hier mahlt was, dort knirscht was, es trommelt, es jault - die Hölle ist ein Auto, in dem alle Störgeräusche, die je in einem Wagen der Citroën-Modellpalette gefunden wurden, gleichzeitig auftreten.

Nun schlägt das Programm ein Störgeräusch beim Xantia vor. Hörbar bei einer Wassertemperatur von achtzig Grad und halbgeöffnetem Fenster links, es stinkt dabei nach Gummi (leider nicht wirklich). Wir klicken das Geräusch an. Es quietscht. Das Programm empfiehlt, mit einem Hörrohr Lichtmaschine, Riemenspannrolle und Hydraulikpumpe abzuhören, das heißt am Computer: die Aggregate anzuklicken. Und siehe: Der Riemen an der Hydraulikpumpe hat Schlupf! Selbst ein Quereinsteiger ist in kurzer Zeit in der Lage, das Pfeifen des Außenspiegels vom Quietschen der Hydraulikpumpe zu unterscheiden und den rutschenden Treibriemen als Übeltäter zu entlarven.