Die Taliban, die seit September 1996 gut zwei Drittel Afghanistans kontrollieren, haben ihre rigide Herrschaftsform um eine weitere Absonderlichkeit bereichert: Fernsehen und Video sind ab Ende Juli verboten.

Bereits unmittelbar nach ihrer Machtübernahme hatten sie Musik untersagt und Kinofilme verbannt. Die Taliban, mehrheitlich analphabetische Religionsstudenten, dekretieren einen Islam, der mit den Offenbarungsschriften sehr wenig, mit Stammesmentalität dagegen sehr viel zu tun hat. Alles, was städtisch und weltoffen erscheint, ist den Bauernkriegern zuwider. Das Fernsehverbot ist gleichwohl eher symbolisch: In Kabul gibt es keine afghanische Fernsehstation, und Satellitenschüsseln kann sich in diesem kriegszerstörten und bitterarmen Land ohnehin niemand leisten.

Warum dennoch dieser symbolische Akt? Weil die Taliban, die sich überwiegend aus dem Mehrheitsvolk der Paschtunen rekrutieren, weder willens noch in der Lage sind, den langjährigen Bürgerkrieg zu beenden. Gegen den Willen der Bevölkerung haben sie die Frauen aus dem öffentlichen Leben verdrängt. Sie dürfen weder Schulen besuchen noch arbeiten. Ohne Lebensmittelhilfen der Vereinten Nationen würden viele Menschen verhungern. Der Symbolismus der Taliban ist eine Flucht in die Ideologie, um sich den dringlichen Fragen des Alltages nicht stellen zu müssen.