Mensch, was wäre das für eine Geste gewesen, die die ganze Welt verstanden hätte: Der DFB zahlt selbstverständlich das erforderliche Geld für die Familie des französischen Polizisten aus der Portokasse und macht gleichzeitig klar: Wenn vor und in Stadien Blut fließt und ein Mensch fast totgeschlagen wird, ist's nicht die Zeit für "Sport und Spiel". Deutschland und der Sport hätten gewonnen - an Ansehen!

Dr. W. Heipertz Heidelberg

Der Beginn der Gewalt läßt sich ins Jahr 1966 ziemlich genau datieren, als die Jugendvorbilder begannen, einen der ihren, Pele, regelrecht und über weite Strecken ungestraft zu exekutieren. Seitdem hat die Spur der Gewalt auf dem Spielfeld und außerhalb nicht mehr geendet, unter dem Beifall von Millionen findet das systematische Umhauen des Gegners statt, das vorsorgliche, vorsätzliche Verletzen, die hanebüchenen Simulationen. Es ist Haarspalterei, aus dieser Kette von Brutalität die Hooligans herausnehmen zu wollen, weil sie angeblich sinnfrei Blut vergießen. Als ob die Ziele der anderen Gewalttäter und Gewaltjubler sich durch anderes als immer mehr Geld rechtfertigten. Den zynischen Beitrag zur Verantwortungslosigkeit liefert die deutsche Nationalmannschaft mit ihrem Trainer derzeit alle paar Minuten im Fernsehen, wenn sie, das heuchlerische "Keine Macht den Drogen" auf den Jacken, suggeriert, man könne kraftvolle Tore nur schießen, wenn der Trainer vorher einen Kasten Bier spendiert hat.

E. Rita Salsaba Hannover

Mich verblüfft immer wieder, mit welcher Selbstverständlichkeit in der öffentlichen Diskussion zum Thema "Jugend und Gewalt" die Rolle der Massenmedien heruntergespielt oder verdrängt wird. Auch im ZEIT-Interview bleibt dieser Aspekt ausgespart. Fast könnte man meinen, die Mediengewalt sei nur ein Thema für Sonntagsredner und bleichwangige Doktoranden. Wieviel Tonnen Blut werden noch, so frage ich, durch den Äther fließen, bis sich die Experten darüber geeinigt haben, ob Mediengewalt individuelle Gewaltdisposition verursacht oder "nur" verstärkt (natürlich verstärkt sie - in den einen Fällen mehr, in den anderen weniger). Gewißt hat Wilhelm Heitmeyer recht, wenn er der Fußballszene ein für Gewaltfanatiker attraktives und förderliches Klima zuschreibt. Aber gilt dies nicht für TV, Video, Kino, PC-Games und so fort auf einer grundlegenderen Ebene noch sehr viel mehr?

Oder muß man die Gewaltexzesse in den Medien hinnehmen wie ein Naturereignis, über das man seinen Unmut äußert, um sich dann schulterzuckend abzuwenden?

Muß man fortan diese Medien als statischen und neutralen Hintergrund betrachten, vor dem sich die tatsächlich relevanten Wirkungszusammenhänge ereignen? Ist zum Beispiel der Einfluß der Fußballszene auf die Hools wirklich relevanter als derjenige der Medien, über welche ja gerade auch das Fußballspektakel promotet wird?