Autofirmen stellen in ihren Prospekten gerne dar, wie der Rußausstoß ihrer Dieselfahrzeuge in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist. So entsteht der Eindruck, Abgaspartikel in der Atemluft seien schon bald kein Thema mehr. Doch der Schein trügt: Die Hersteller haben vor allem die Masse des ausgestoßenen Rußes reduziert, indem sie die Partikel schrumpfen ließen.

Die Anzahl der Teilchen hingegen ist nicht durchweg zurückgegangen. Im Gegenteil, sie ist durch neue Motortechniken teilweise sogar gestiegen.

Deshalb warnen Mediziner: Weil kleine Rußpartikel die Lunge vermutlich stärker schädigen als gröbere Teilchen, könnten neue Dieselmotoren für die Gesundheit ein Rückschritt sein. Einer der Kritiker ist Uwe Heinrich, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Toxikologie und Aerosolforschung in Hannover. Er spricht von einer "ungünstigen Entwicklung": Gerade die kleinen Partikel mit einem Durchmesser um zwanzig bis dreißig Nanometer (millionstel Millimeter) seien die gefährlichsten, weil sie zu fünfzig bis sechzig Prozent in tiefen Bereichen der Lunge hängenblieben. Solch "ultrafeine" Partikel werden durch neuere Motoren vermehrt erzeugt.

Das ergaben auch Untersuchungen, die in der Schweiz im Zusammenhang mit dem Tunnelbau vorgenommen wurden, wo Rußemissionen von Arbeitsmaschinen besonders belastend sind. Andreas Mayer vom Ingenieurbüro TTM in Niederrohrdorf kam dabei zu der Erkenntnis, daß es trotz der Fortschritte im Motorenbau bei den Feinpartikeln keine Minderung gegeben habe. Es sei vielmehr so, daß "der neue Low-Emission-Motor mehr Feinpartikel emittiert" - je nach Betriebsbedingungen sogar bis zu sechsmal mehr als ältere Modelle.

Als Ursachen des verstärkten Feinpartikel-Ausstoßes gelten der höhere Einspritzdruck im Motor, kleinere Einspritzdüsen und die daraus resultierende feinere Zerstäubung des Treibstoffs. Die sparsamen Direkteinspritzer und das Common-Rail-System (die Speichereinspritzung) geraten daher in die Kritik der Umweltmediziner.

Daimler-Benz hat im vergangenen Jahr den neuen C 220 CDI mit "zukunftsweisender Common-Rail-Einspritzung" auf den Markt gebracht und verteidigt die neue Technik. "Die Partikel sind bei allen Dieselmotoren gleich groß", sagt Firmensprecher Alexander von Seydlitz. Erfahrene Wissenschaftler bezweifeln das. Der Daimler-Benz-Sprecher beharrt hingegen darauf, die modernen Dieselfahrzeuge seien "Ultra-Low-Emission-Vehicles" und stellten damit eine Verbesserung dar. Die Vorbehalte gegen den Diesel seien nur noch "als historisch zu werten". Sein Argument: "Wir unterbieten die Grenzwerte deutlich."

Das ist zwar richtig, doch aus gesundheitlicher Sicht zweifelhaft. Denn die Definition der Grenzwerte ist antiquiert. Die heutige Abgasnorm berücksichtigt allein die Masse der Partikel, nicht aber deren Anzahl.